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#166 "Putin's Russia is increasingly becoming a totalitarian state"
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Greg Yudin is a sociologist, philosopher and professor at the Moscow School of Social and Economic Sciences. He is one of the most prominent voices of the anti-war protests in Russia. He is writing regularly for the open-democracy and the Russian online magazine Republic.
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Hier eine ins Deutsche übersetzte und gekürzte Version des Interviews mit Greg Yudin:
Während Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine tobt, gehen viele Russinnen und Russen auf die Straße, um gegen die Invasion zu demonstrieren. Tausende wurden seit Beginn der Antikriegsproteste verhaftet. Wie ist die Stimmung gerade in Russland?
Viele Menschen in Russland leugnen noch immer, was in der Ukraine und in unserem eigenen Land los ist. Sie tun immer noch so als wäre das Leben mehr oder weniger wie vor dem Krieg. Aber es gibt erste Risse in diesem vermeintlich normalen Alltag: Lange Schlangen vor den Banken, steigende Preise und Geschäfte, denen die Waren ausgehen. Gleichzeitig haben wir sehr alarmierende Demonstrationen der Natur dieses Regimes. Menschen, die sich gegen den Krieg engagieren, werden bedroht. Einige haben der Z-Buchstabe an der Tür gefunden, der Buchstabe ist ein Symbol für die Unterstützung der Invasion. Es gibt Bilder von Menschenansammlungen in Z-Form. Und es gibt viele Einschüchterungsversuche an Universitäten, Schulen und Arbeitsstellen, die vor einer Teilnahme an den Protesten warnen. Einige Menschen haben bereits das Land verlassen. Also: Leugnung, Angst und Trotz, so würde ich die Stimmung beschreiben.
“Trotz” ist ein gutes Wort, den trotz Einschüchterung und Tausenden Verhaftungen gehen noch immer Menschen gegen den Krieg auf die Straße. Wie groß ist die Antikriegsbewegung in Russland und wer sind die Menschen, die da demonstrieren?
Bei Befragungen am Anfang des Krieges sagten bis zu 25 Prozent der Befragten, dass sie gegen den Krieg sind. Jetzt gehen diese Zahlen zurück. Aber das geht zurück, weil wir uns zunehmend in einem totalitären Staat befinden. Die meisten Demonstranten würde ich zu dem zählen, was ich eine progressive Klasse nenne. Das ist sehr weit gefasst, vermittelt aber die manchmal seltsame Mischung aus Menschen, die auf die eine oder andere Weise in eine globale Gemeinschaft und globale Kultur eingebettet sind. Sie sehen sich als Teil der globalen Ströme, kulturell und wirtschaftlich. Und sie sehen Russland als Teil der globalen Gemeinschaft. Diese Menschen sind tendenziell jünger. Bei den Jungen gibt es eine Spaltung bezüglich der Haltung zum Krieg, während die Älteren die Invasion mit überwältigender Mehrheit unterstützten. Darüber hinaus leben sie eher in Großstädten: Moskau, Sankt Petersburg, aber zum Beispiel auch Nowosibirsk und Irkutsk. All diese Städte haben ziemlich große Antikriegskundgebungen gesehen. Außerdem sind sie tendenziell gebildeter und offensichtlich weniger abhängig von den Informationen der staatlichen Fernsehsender. Und interessanterweise zeigt eine der Studien, dass diejenigen, denen es schlechter geht, eher gegen den Krieg sind. Wahrscheinlich weil sie verstehen, dass sie den Preis mit ihrem Geld, aber auch mit dem Leben ihrer Kinder bezahlen werden. Und eine weitere Sache ist, dass die Bewegung sehr trotzig ist. Mehr als 15.000 Menschen wurden seit Beginn des Krieges bereits inhaftiert.
Was passiert mit Ihnen?
Die meisten von ihnen werden freigelassen. Einige