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Was geschah mit den Büchern der DDR?

Published 1 day, 3 hours ago
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Nach dem Mauerfall wurden Millionen Bücher aus DDR-Produktion vernichtet. Auch Bibliotheken trennten sich von ihren Beständen. Wie groß war der Verlust – und wer versuchte, das literarische Erbe zu retten? Von Dirk Engelhardt.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Das Lehrbuch „Marxistisch-leninistische Staats- und Rechtstheorie“, erschienen 1975 im Staatsverlag der DDR, war so ein Werk, das öfters dran glauben musste. Nach dem Mauerfall interessierten sich nur noch wenige Bibliotheksnutzer in Ostdeutschland für dieses staatstragende Werk, das die Grundlagen des sozialistischen Staates und seiner Rechtsordnung vermittelte. Vielerorts wanderte es auf den Müll, zusammen mit unzähligen anderen Büchern, die in Verlagen der DDR erschienen waren und deren literarischer Wert weit über das politische System hinausreichte.

Nach Angaben des Literaturwissenschaftlers Carsten Gansel landeten nach dem Mauerfall rund 80 Millionen DDR-Bücher im Müll. Eine genaue Statistik gibt es nicht. In manchen Orten waren Container aufgestellt, in denen Bücher aus dem Buchhandel, aus Bibliotheken und Lagern weggeschmissen wurden. Fotos aus jener Zeit zeigen, wie Bücher palettenweise auf Müllkippen landeten und sogar in stillgelegten Tagebauen entsorgt wurden. Hintergrund war ein radikaler wirtschaftlicher und kultureller Umbruch.

Die DDR war ein Leseland und verfügte über wesentlich mehr Bibliotheken als die neuen Bundesländer heute. Eine beträchtliche Zahl der kleineren Bibliotheken, die sich in Wohngebieten oder Schulen befanden, wurde nach dem Mauerfall für immer geschlossen. Bibliotheken sortierten in der Zeit nach dem Mauerfall zwischen 30 und 40 Prozent ihrer Bestände aus. Der Hauptgrund war wohl, dass Platz benötigt wurde, um die Regale mit neuen Büchern aus Westdeutschland zu füllen und damit auch auf die Wünsche der Bibliotheksbesucher zu reagieren. DDR-Autoren gerieten damals unter Verdacht, politisch zu eng mit dem alten Staat verbunden gewesen zu sein.

Man muss jedoch sagen, dass nicht alle Bücher weggeschmissen wurden. Ein Teil wurde auch auf Flohmärkten oder an Antiquariate verkauft.

Heute können sich die Leiter ostdeutscher Bibliotheken offenbar nur noch schwer an die damalige Zeit erinnern. Die Stadtbücherei in Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern ist eine relativ kleine Bibliothek, rund 18.000 Bücher stehen hier in den Regalen. Leiterin Simone Brock kann sich erinnern, dass nach dem Mauerfall Stück für Stück die alten Bücher aus der DDR aussortiert wurden. „Das geschah aber nicht auf einen Schlag, sondern wir haben nach und nach den Bestand der alten DDR-Bücher durch neue Bücher aus deutschen Verlagen ersetzt“, erinnert sie sich.

Ähnlich verfuhr die Stadtbibliothek in Oranienburg. „Wir führen heute keine Bücher mehr, die zu DDR-Zeiten aufgelegt wurden“, sagt Daniel Fehlauer, der Leiter der Bibliothek. DDR-Bücher wurden, so gibt er zu Protokoll, nach dem Mauerfall sukzessive ausgesondert.

In der turbulenten Zeit der Wende gab es nur wenige Stimmen, die sich gegen diesen Verlust kulturellen Erbes aussprachen. Einer von ihnen war Peter Sodann, der in der DDR Schauspieldirektor in Magdeburg war und später Intendant im neuen theater in Halle. Nach dem Mauerfall wurde er auch im Westen bekannt durch die Rolle als Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher. 2009 war er sogar als Kandidat der Linken für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Schon seit 1990 sammelte Peter Sodann die Bücher, die zwischen 1945 und 1990 in den Verlagen der DDR erschienen waren. Heute befinden sich rund 265.000 DDR-Bücher in der Peter-Sodann-Bibliothek in Stauchitz. Dazu kommen nochmal rund 1,5 Millionen Bücher, die nicht einsortiert sind und in Bananenkisten lagern. Neben Romanen und Gedichtbänden finden sich auch Sachbücher, Kinderbücher, regionale Werke und anderes, das heute nur noch schwer zu beschaffen ist.

Sodann war es nicht wichti

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