Episode Details

Back to Episodes

Skandal ohne Skandal: Die Mittelbayerische Zeitung und eine BSW-Veranstaltung mit Michael Meyen

Published 2 days, 2 hours ago
Description

Die Mittelbayerische Zeitung zeigt gerade, wie man als Zeitung das Meinungsklima vergiftet. In einem scheinbar nachrichtlichen Artikel geht es drunter und drüber. Stein des Anstoßes: Das BSW hat den Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen zu einem Vortrag eingeladen. Thema: „Journalismus und Macht“. Meyen richtet sich in einem Offenen Brief an die verantwortliche Chefredakteurin Andrea Rieder. Klar ist: Eine journalistisch entkernte Berichterstattung zeigt sich längst auch im Lokaljournalismus. Anonyme Heckenschützen dürfen losfeuern, Medien skandalisieren, wo kein Skandal ist. Die Hauptsache ist, es trifft die Kritiker der Machtverhältnisse. Weltanschauung sticht Journalismus. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Mittelbayerische Zeitung veröffentlicht einen Artikel (hinter Bezahlschranke), der sich auf eine anonyme „Initiative gegen Rechts“ stützt. Ziel ist: Michael Meyen. Grund: Das BSW hat den sich mittlerweile im Ruhestand befindlichen Professor zu einem Vortrag eingeladen. Eine anonyme „Initiative gegen Rechts“ schmeckt nicht, dass Meyen im örtlichen Kolpinghaus auftritt, und setzt mit einer „Pressemitteilung“ zur Skandalisierung an. Prompt greift die Mittelbayerische „das Thema“, das ein seriöser Journalismus schnell als weltanschaulich verseucht erkannt und abgelehnt hätte, auf. Und, voilà, die Skandalisierung beginnt.

„Streit um BSW-Veranstaltung“ lautet die Überschrift. Nur, realistisch betrachtet: Es gibt keinen Streit. Was es gibt, ist eine Initiative, der die Mittelbayerische Zeitung eine Bühne bietet – und die aus dem Schatten der Anonymität Folgendes in dem Blatt sagen darf: „Meyen hat sich in der Vergangenheit zu antisemitischen, verschwörungsideologischen und extrem rechten Kreisen hervorgetan.“

So geht’s, Knall auf Fall. Die Schlagworte gibt die Mittelbayerische ohne auch nur den Ansatz einer kritischen Perspektivierung weiter. „Antisemitisch“, „verschwörungsideologisch“, „extrem rechte Kreise“? Bei diesen Begriffen steht auch ohne Verhandlung fest: Schuldig im Sinne der Anklage.

Willkommen beim publizistischen „Standgericht“.

„Begründungen“ lässt die Mittelbayerische durch die Initiative wiedergeben: Meyen „sei“ Herausgeber der Publikation „Demokratischer Widerstand“ und habe das Buch „Die Propaganda-Matrix“ veröffentlicht. „Fachleute“ würden das Buch als „verschwörungstheoretisch und wissenschaftlich unseriös“ einstufen.

„Gott“, möchte man sagen, „bewahre uns vor diesen Experten!“ Wahrscheinlich sind das jene Experten, die von der Coronaimpfung als „nebenwirkungsfrei“ gesprochen haben. Aber lassen wir das.

Erstens: Meyen ist nicht Herausgeber des „Demokratischen Widerstands“, sondern war der Mitherausgeber – für kurze Zeit. Die richtige Formulierung wäre: „sei gewesen“. Hier hat die Zeitung also eine Falschaussage wiedergegeben.

Zweitens: Das Buch Propaganda-Matrix liegt gerade hier auf dem Schreibtisch. Es ist ein ausgezeichnetes Buch von einem, der die Machtverhältnisse im journalistischen Feld intellektuell durchdrungen hat.

Aber lassen wir das und kommen zu drittens: Die Wörter „verschwörungstheoretisch“ und „verschwörungsideologisch“ sind Kampfbegriffe – die eine anständige Zeitung nicht einfach so ins Blatt zu werfen lassen hat.

Und damit sind wir beim Punkt.

Journalismus.

Bei einem so einem heiklen Thema, wo das Ansehen und die Reputation eines Menschen auf dem Spiel stehen, ist journalistische Verantwortung gefragt.

Ein seriöser Journalismus hätte die Pressemitteilung der Initiativ

Listen Now

Love PodBriefly?

If you like Podbriefly.com, please consider donating to support the ongoing development.

Support Us