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Poschardt, Fleischhauer und Co. – der Großangriff der Wutbürger

Published 2 days, 2 hours ago
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Neulich beim Frisör. Auf dem Tischchen, zwischen einer zerfledderten „Landlust“ und Blättern wie „Frau im Koma“, lag ein Focus. Ich habe den Fehler gemacht, ihn aufzuschlagen. Jan Fleischhauer erklärte mir dort, wovor ich mich zu fürchten habe – vor Lastenrädern, glaube ich, oder vor den nun drohenden Enteignungen durch die rot-rot-grünen „Kommunisten“ in Berlin; vielleicht auch vor allem gleichzeitig. So genau weiß man das bei ihm nie und so genau will man es auch gar nicht wissen. Als eine junge Dame mich aufrief, empfand ich dies als Erlösung. Ein Essay von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Wobei der Print ja gar nicht mal das typische Habitat von reaktionären Wutbürgern vom Schlage eines Fleischhauer ist. So richtig schlimm wird es im Mordor des deutschen Wutbürgertums – auf Facebook und YouTube. Da kann man – je nachdem, wie boshaft und übergriffig der Algorithmus gerade drauf ist – kaum noch ein paar Beiträge durchscrollen, bis man auf die stets übel gelaunten grauhaarigen Pöbeldiven trifft; meist aufgewärmt durch die Durchlauferhitzer der „rechten Blase“ – YouTube-Kanäle mit Buchstaben auf den Titelbildern, die noch größer sind als die der BILD.

Seitdem lässt mich eine Frage nicht los, die man in einer pluralistischen Gesellschaft eigentlich nicht stellen darf: Welche Existenzberechtigung haben eigentlich Typen wie Poschardt, Fleischhauer, Blome und Co.? Nicht als Menschen wohlgemerkt – als Menschen sollen sie lange und gut leben, darauf komme ich noch zurück. Sondern als Kommentatoren, als Meinungsmacher, als selbsternannte Stimmen der Vernunft in einem Land, das angeblich von links gekapert wurde. Was tragen sie eigentlich bei, außer die Steigerung des eigenen Blutdrucks und des ihrer Leser?

Die Hausmeister des Bestehenden

Es geht ihnen angeblich um Freiheit, um Vernunft, um den gesunden Menschenverstand gegen ideologische Verirrungen. Doch das ist vorgeschoben. Es kann natürlich daran kein Zweifel bestehen, dass die Kulturkämpfer von links ihren Unsinn in den letzten Jahren bis an die Grenze des Unerträglichen überzogen haben, und es ist sowohl wohlfeil als auch notwendig, dies zu kritisieren. Das machen zum Beispiel die NachDenkSeiten ja in steter Regelmäßigkeit. Nur weil die Kulturkämpfer – um es mal umgangssprachlich zu formulieren – so richtig einen an der Glocke haben, heißt dies im Umkehrschluss jedoch nicht, dass ihre Antipoden, die Kulturkämpfer von rechts, nun die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten.

Mich erinnert das immer an einen alten Mann, der früher bei uns am Teich saß, Enten fütterte, und jedem Passanten, ob der es nun wollte oder nicht, erzählte, dass die „Sozialisten“ unser Land zerstören. Ein wenig so, als hätte man Menges „Ekel Alfred“ Tetzlaff in die Wirklichkeit gebeamt. Und ja, die Poschardts, Fleischhauers und Blomes wirken in der Tat so, als seien sie eine Reinkarnation von Alfred Tetzlaff – jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass wohl (fast) jedem Zuschauer von „Ein Herz und eine Seele“ klar war, dass es sich hierbei um ein Satireformat handelt.

Obgleich ich mir vor allem bei Ulf Poschardt gar nicht mal sicher bin, ob er nicht auch ein satirisches Gesamtkunstwerk ist. Diese perfekte Mischung aus Blasiertheit, Arroganz und maßloser Selbstüberschätzung bei maximaler Ahnungslosigkeit kann doch eigentlich nicht echt sein. Wobei ich ja zugeben muss, dass ich den „blasierten Parvenü“ bereits als „Paris Hilton des deutschen Journalismus“ bezeichnet habe, als er abseits der Hardcore-Jungliberalen noch nicht als „cool“ galt.

Was mich heute „am Ulf“ besonders fasziniert, ist ja die Schlagzahl seiner Übellaunigkeiten. Selbst wenn der Ulf mal Freizeit

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