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Back to EpisodesWie regierte Theoderich der Große zwei Völker in einem Reich? - Die poströmische Ordnung des Theoderich der Großen | Fakten zum Einschlafen: Geschichte
Description
Im Jahr 493 ermordete ein gotischer Kriegsherr seinen Rivalen Odoaker bei einem Festmahl und übernahm die Herrschaft über Italien. Doch statt das römische Erbe zu zerschlagen, begann Theoderich der Große ein dreiunddreißigjähriges politisches Experiment: Er regierte mehrere Millionen Römer mit einer intakten römischen Verwaltung, während seine arianischen gotischen Krieger das Land militärisch sicherten. Die Folge war ein hybrides Regime, das zwei Völker, zwei Rechtssysteme und zwei Religionen unter einer politischen Führung vereinte.
Die Episode untersucht, wie dieses Arrangement im Alltag funktionierte – von der getrennten Rechtsprechung bis zur Instandhaltung römischer Aquädukte durch eine Beamtenelite, die sich in den Verwaltungsbriefen des Cassiodor widerspiegelt. Dabei beleuchten wir auch die tiefen Bruchlinien dieses Systems, die erst sichtbar wurden, als sich die politischen und religiösen Beziehungen zum oströmischen Reich in Konstantinopel verschlechterten und das labile Gleichgewicht schließlich in Misstrauen und Konflikt kippte.
Bei der Arbeit an dieser Episode kehrte ich immer wieder zu einer grundlegenden Frage zurück: Wie hält man eine Gesellschaft funktionsfähig, wenn die militärische Macht und die kulturelle Verwaltungstradition zwei völlig unterschiedlichen Welten entstammen? Mich fasziniert an Theoderichs Herrschaft, dass sie sich nicht in die einfachen Kategorien von Untergang oder Kontinuität einordnen lässt. Es war eine pragmatische, kreative und letztlich hochgradig zerbrechliche Lösung für eine Zeit, in der Altes und Neues ständig neu kombiniert werden mussten.