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#137 Indien: Du liebst es oder du hasst es
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„Indien – du liebst es oder du hasst es“, so wurde ich auf diese dreitägige Reise nach Kalkutta vorbereitet. Ich wählte die Stadt als strategischen Zwischenstopp zwischen Bangladesch und Bhutan. Mein Urteil nach diesem Kurztrip liegt tatsächlich irgendwo dazwischen, doch der Reihe nach.
Mein erster Eindruck war durchweg negativ und von bürokratischem Chaos geprägt. Am Flughafen kostete mich das Visumverfahren geschlagene drei Stunden, in denen ich wiederholt dieselben Daten eingeben musste, weil die digitalen Systeme der Atommacht nicht miteinander kommunizieren. Trotz einer vorab ausgefüllten Gesundheitsdeklaration wurde noch im Flieger ein weiterer Zettel verteilt, gefolgt vom Verlangen nach einer Arrival Card. Als ich im Flughafen zu einem nur 15 Meter entfernten Geldautomaten wechseln wollte, verwehrten mir schwer bewaffnete Soldaten den Zutritt, da ich kein gültiges Abflugticket besaß. Erst außerhalb fand ich Hilfe bei einem netten Inder. Selbst im Hotel setzte sich der Überwachungsstaat fort: Ich musste seitenweise Formulare ausfüllen und es wurden sogar Fotos von meinem Gesicht gemacht.
Am ersten vollen Tag erkundete ich die Stadt zu Fuß nach einer Route, die mir eine künstliche Intelligenz zusammengestellt hatte. Über die Park Street ging es zu einem historischen englischen Friedhof aus dem 18. Jahrhundert. Für zwei Euro Eintritt sah ich beeindruckende Monumente und Obelisken inmitten von Gräbern alter Kolonialoffiziere. Danach besuchte ich den wuseligen New Market. Kalkutta faszinierte mich mit seinen unzähligen, prachtvollen Palästen. Diese sechs bis sieben Etagen hohen Kolonialbauten sind jedoch völlig verfallen und dienen heute als Kulisse für billigen Ramschverkauf – für mich ein bitterer Blick auf die städtebauliche Zukunft Deutschlands. Auf dem Weg zu einem Fort überraschte mich ein heftiger Monsunregen. Völlig durchnässt musste ich feststellen, dass das Fort ein militärisches Sperrgebiet ist. Den Tag rettete ich mit der „Wunderland-Platte“ in einem Veggie-Restaurant bei Kerzenschein, bedingt durch einen Stromausfall. Danach besichtigte ich noch die St. Paul’s Cathedral und den weißen Prachtbau des Victoria Memorials.
Am zweiten Tag kämpfte ich mich durch extremen Smog und Dauerregen in Richtung Fluss. Ich durchquerte das faszinierende Bücherviertel und beobachtete Steinmetze bei ihrer präzisen Straßenarbeit. Am Flussufer wurde es abenteuerlich: Die unvorstellbare Armut in den Zeltdörfern entlang der Bahngleise, offene Müllkippen und ein beißender Gestank forderten mich heraus. Nach einer kurzen Fährüberfahrt und dem Besuch eines schlammigen Blumenmarktes flüchtete ich erschöpft in ein Taxi. Für die gut drei Kilometer lange Fahrt benötigten wir im unbarmherzigen, hupintensiven Berufsverkehr unglaubliche 45 Minuten.
Kulinarisch ist Indien für mich eine absolute Offenbarung, vielleicht das beste Essen der Welt. Auch Kuriositäten wie die allgegenwärtigen Swastika-Symbole auf Kleidung und Bussen brannten sich ein. Indien hat mich definitiv neugierig gemacht. Ich hasse es nicht, aber ich liebe es auch nicht – ich finde es okay und werde wiederkommen, um mehr zu sehen.