Episode Details
Back to EpisodesWoher kommt der Mythos vom Wikinger-Hörnerhelm? - Auf Wiking gehen: Die wahre Bedeutung der Wikinger | Fakten zum Einschlafen: Geschichte
Description
Das moderne Bild der Wikinger ist von Hörnerhelmen, mythischen Kriegern und scheinbar einheitlichen Völkern geprägt. Doch die historische Wirklichkeit des frühmittelalterlichen Skandinaviens sah grundlegend anders aus. Im Altnordischen war man kein Wikinger, sondern man ging auf Wiking – „fara í víking“. Dieser Begriff beschrieb eine saisonale Tätigkeit, eine Raubfahrt, und keineswegs eine ethnische Identität oder eine eigene Nation. Die Menschen, die an diesen Fahrten teilnahmen, waren Bauern, Fischer oder Händler, die in einem komplexen agrarischen Jahresrhythmus lebten und nur zeitweise auf Beutezüge gingen.
Diese Episode untersucht die ursprüngliche Bedeutung des Wortes anhand von Runeninschriften und skaldischer Dichtung. Sie beleuchtet den Alltag der ländlichen Gesellschaft, die Rolle der lokalen Thing-Versammlungen und die weitverzweigten Handelsnetzwerke von Orten wie Birka. Zudem wird der Frage nachgegangen, wie die wissenschaftliche Zweckmäßigkeit des Begriffs „Wikingerzeit“ und spätere kulturelle Neuerfindungen des 19. Jahrhunderts – etwa durch Richard Wagners Opern – dazu führten, dass eine temporäre Erwerbstätigkeit zu einem fiktiven nationalen Mythos wurde.
Bei der Arbeit an dieser Episode kehrte ich immer wieder zu einer einfachen Frage zurück: Was passiert mit unserem Geschichtsbild, wenn wir eine vertraute Bezeichnung von ihren späteren romantischen Schichten befreien? Mich fasziniert, wie ein einziges Wort unsere Vorstellung einer ganzen Epoche dominieren kann. Wenn wir den Begriff „Wikinger“ an seinen ursprünglichen Platz als reine Tätigkeitsbeschreibung zurückstellen, wird die nordische Welt nicht weniger interessant, sondern endlich wieder menschlich, vielschichtig und verständlich.