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Der Preis lügt immer am Ende

Episode 71 Published 1 day, 21 hours ago
Description
Vergabereform: EU-Vorschlag / Lebenszykluskosten: der Mechanismus / Mittelstand: Käufer und Anbieter

Akt 1: Der Vorschlag aus Brüssel

Am 9. September 2026 hat die Europäische Kommission den Entwurf für einen Public Procurement Act vorgelegt. Die drei geltenden Vergaberichtlinien sollen durch eine einzige, unmittelbar geltende Verordnung ersetzt werden. Statt fünf gibt es künftig drei Verfahren, dazu einen integrierten digitalen Beschaffungsmarktplatz. Vizepräsident Stéphane Séjourné präsentierte den Vorschlag in Brüssel; sinngemäß: der neue Maßstab sei das beste Verhältnis von Preis und Qualität, nicht mehr der Preis allein. Qualitätskriterien sollen mindestens 30 Prozent der Bewertung ausmachen, bei arbeitsintensiven Aufträgen mindestens 50 Prozent. Ein Comply-or-explain-Mechanismus erlaubt Abweichungen, wenn Auftraggeber begründen, wie Qualität anderweitig gesichert wird. Wichtig: Es handelt sich um einen Vorschlag. Parlament und Rat müssen noch zustimmen. Kein Inkrafttreten zu einem bestimmten Datum absehbar.

Akt 2: Der Mechanismus hinter der Nachricht

Öffentliche Beschaffung macht rund 15 Prozent des EU-BIP aus. In Deutschland gingen zuletzt 56 Prozent aller öffentlichen Vergabeverfahren an das billigste Angebot (EU-Mittel: 54 Prozent). Deutschland liegt damit im europäischen Mittelfeld. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (Art. 143h GG) erlaubt Investitionen von bis zu 500 Milliarden Euro, bewilligbar innerhalb von zwölf Jahren. 100 Milliarden gehen an den Klima- und Transformationsfonds, 100 Milliarden stehen den Ländern zur Verfügung. Die genauen Zahlen zum deutschen Vergabemarkt in den Shownotes-Links.

Das strukturelle Problem: Einkauf und Instandhaltung werden in vielen Betrieben getrennt gemessen. Der Einkauf wird an dem gemessen, was er beim Kauf spart. Die Instandhaltung an dem, was später ausfällt. An der Summe aus beidem wird in den wenigsten Häusern jemand gemessen.

Akt 3: Folgen für den Mittelstand

Als Anbieter: Wer für Jahrzehnte baut, sollte dem Kunden die Gesamtrechnung über Jahrzehnte selbst vorlegen, mit konkreten Zahlen zu Wartung, Ausfällen, Überholung und Restwert. Nicht als Werbebroschüre, sondern als Unterlage, die der Einkäufer intern weiterleiten kann. Als Käufer: Im eigenen Haus lohnt es sich zu klären, wer tatsächlich an der Summe aus Kaufpreis und Folgekosten gemessen wird.

Aus dem Netzwerk: Ultimate Europe Transportation Equipment

Die Ultimate Europe Transportation Equipment GmbH in Sankt Georgen am Ybbsfelde (Niederösterreich, Bezirk Amstetten) baut Türen, Übergänge und Innenausstattung für Schienenfahrzeuge. Gegründet 2003, rund 350 Beschäftigte, Teil einer Gruppe mit rund 1.800 Beschäftigten, Umsatz rund 115 Millionen Euro. Geschäftsführer Manfred Teufl im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Deshalb zählt nicht nur der Anschaffungspreis. Entscheidend sind auch Zuverlässigkeit und Lebenszykluskosten. Ein Produkt muss über Jahrzehnte wirtschaftlich funktionieren." Lebenszyklen in der Branche: 30 bis 40 Jahre, nach etwa zehn Jahren häufig eine größere Überholung.

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