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Ruhepol Folge 103
Description
Die Kunst der inneren Fülle
Herzlich willkommen bei Ruhepol, deinem Podcast für Inspiration und innere Balance.
Vielleicht kennst du diese Augenblicke, in denen das Leben für einen Moment vollständig erscheint. Du sitzt am Fenster, eine warme Tasse zwischen deinen Händen, und draußen bewegt der Wind die Bäume. Aus einem anderen Zimmer klingt Musik. Das Licht fällt auf den Tisch, und plötzlich empfindest du eine leise Freude darüber, einfach hier zu sein. Dabei hat sich an deinen Umständen kaum etwas verändert. Die offenen Fragen sind noch da, die unerledigten Aufgaben ebenfalls. Trotzdem fehlt dir in diesem Augenblick nichts.
Über dieses Gefühl möchte ich heute mit dir sprechen. Über innere Fülle und die Frage, wie wir ihr in unserem Leben mehr Raum geben können.
Wir verbringen viel Zeit damit, uns auf ein späteres Glück vorzubereiten. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist, wenn die finanzielle Sicherheit größer wird, wenn die richtige Liebe kommt, dann, so hoffen wir, werden wir endlich aufatmen. Unsere Wünsche führen uns nach vorn, und das hat seinen Wert. Doch manchmal verlegen wir dabei unser ganzes Wohlbefinden in eine Zukunft, die immer ein kleines Stück entfernt bleibt.
Ich frage mich gelegentlich, wie viele schöne Tage ich wohl schon übersehen habe, weil ich darauf wartete, dass etwas anderes geschieht. Wie oft war etwas Kostbares längst anwesend, während meine Aufmerksamkeit dem galt, was noch fehlte?
Innere Fülle beginnt für mich mit der Bereitschaft, genauer hinzusehen. Auf das, was mich trägt, was mich berührt und was über die Jahre in mir gewachsen ist.
Wenn ich auf mein Leben schaue, gehören dazu auch die Reisen, die fremden Sprachen und die Begegnungen mit anderen Kulturen. Ein Gespräch, in dem wir nach Worten suchen und uns irgendwann lächelnd verstehen. Ein Essen an einem unbekannten Ort, dessen Duft später eine ganze Erinnerung zurückbringt. Eine Straße, durch die ich zum ersten Mal gehe, und dieses besondere Gefühl, zugleich fremd und hellwach zu sein.
Solche Erfahrungen leben in uns weiter. Sie verändern unseren Blick und geben unserer eigenen Geschichte Tiefe. Manchmal genügt eine Melodie, und eine längst vergangene Landschaft öffnet sich wieder in unserer Erinnerung.
Auch Bücher können zu solchen inneren Orten werden. Wir begegnen einem Gedanken, für den uns bisher die Worte fehlten, und fühlen uns plötzlich verstanden. Eine Figur begleitet uns durch eine schwierige Zeit. Ein Satz bleibt über Jahre bei uns und gewinnt mit jeder Erfahrung eine neue Bedeutung.
So entsteht nach und nach eine innere Welt, die wir überallhin mitnehmen.
Zu dieser Welt gehören auch Dinge, die niemand von außen erkennen kann. Der Mut, den eine Entscheidung gekostet hat. Die Geduld, mit der wir etwas gelernt haben. Unsere Fähigkeit, nach einer Enttäuschung wieder Nähe zuzulassen. Vieles davon findet keinen Platz in einem Lebenslauf und verdient trotzdem unsere Anerkennung.
Vielleicht magst du dich einmal fragen, welche Eigenschaften du heute besitzt, die dein jüngeres Ich noch gebraucht hätte. Kannst du inzwischen deutlicher sagen, was du möchtest? Erkennst du früher, wann dir etwas zu viel wird? Hast du gelernt, allein einen schönen Tag zu verbringen oder um Hilfe zu bitten?
Es lohnt sich, diese Veränderungen wahrzunehmen. Wir leben oft so dicht an uns selbst, dass wir unser eigenes Wachsen übersehen.
Natürlich gibt es Zeiten, in denen wir wenig Zugang zu einem Gefühl von Fülle finden. Wer sich um seine Existenz sorgt, einen Menschen vermisst oder erschöpft ist, braucht Raum für diese Wirklichkeit. Dankbarkeit lässt sich nicht verordnen. Schmerz braucht keine schönere Verpackung, und ein schwerer Tag darf schwer bleiben.
Gerade dann kann es wohltuend sein, die Erwartungen an sich selbst kleiner werden zu lassen. Vielleicht besteht die Fürsorge heute darin, etwas Warmes zu essen, einen vertrauten Menschen anzurufen oder ein