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Ruhepol Folge 102
Description
Non, je ne regrette rien – Das Leben, das mir sonst entgangen wäre
Herzlich willkommen bei Ruhepol, deinem Podcast für Inspiration und innere Balance.
Manchmal frage ich mich, welches Leben ich heute führen würde, wenn damals alles so gekommen wäre, wie ich es unbedingt wollte.
Wer wäre ich geworden?
Welche Bücher hätte ich nie gelesen? Welche Menschen niemals getroffen? Welche Länder wären Namen auf einer Landkarte geblieben?
Und welche Seiten an mir hätte ich nie kennengelernt?
Wir denken oft darüber nach, was uns durch eine Enttäuschung genommen wurde. Viel seltener betrachten wir das Leben, das uns dadurch überhaupt erst zugänglich geworden ist.
Vielleicht, weil wir für das Verlorene sofort Worte finden.
Für das, wovor wir bewahrt wurden, brauchen wir manchmal Jahre.
„Non, je ne regrette rien.“
Nein, ich bereue nichts.
In diesem Satz liegt für mich ein stilles Einverständnis mit meiner Geschichte. Auch mit ihren rätselhaften Wendungen.
Ich glaube, dass Gott weiter sieht als ich.
Ich sah damals einen Wunsch. Eine bestimmte Vorstellung von Sicherheit, Zugehörigkeit, Glück. Ich wollte, dass etwas gelingt, dass jemand bleibt, dass sich eine Tür öffnet.
Gott sah vielleicht auch, was danach gekommen wäre.
Die Jahre hinter dieser Tür.
Die Anpassung. Die wachsende Unzufriedenheit. Ein Leben, in dem ich äußerlich angekommen wäre und mich innerlich immer weiter von mir entfernt hätte.
Vielleicht hat er diese Entwicklung deshalb so gewollt. Weil das Leben, an dem ich festhalten wollte, auf Dauer schwerer geworden wäre als der Abschied davon.
Dieser Gedanke gehört zu meinem Glauben. Er gibt mir Vertrauen, wo mein Wissen endet.
Es gibt eine Unzufriedenheit, die sehr ordentlich aussieht.
Der Kalender ist gefüllt. Die Aufgaben sind erledigt. Alles hat seinen Platz.
Nur das eigene Staunen kommt darin kaum noch vor.
Man steht auf, funktioniert, kommt nach Hause und sammelt Kraft, um am nächsten Morgen wieder zu funktionieren. Irgendwann besteht die Woche hauptsächlich aus der Erwartung, dass sie vorübergeht.
Ein stumpfes Nine-to-five hätte für mich genau diese Gefahr enthalten: dass meine Zeit so vollständig verplant gewesen wäre, dass ich meine eigenen Fragen kaum noch gehört hätte.
Natürlich kann Arbeit erfüllen. Doch ich wollte ein Leben, in dem auch das Platz hat, was sich weder abrechnen noch im Voraus rechtfertigen lässt.
Ein langes Gespräch.
Ein Nachmittag zwischen Büchern.
Eine Reise, von der ich mit anderen Gedanken zurückkehre.
Zeit, in der etwas entstehen darf, ohne sofort nützlich sein zu müssen.
Vielleicht wäre ich in einem scheinbar sicheren Leben ärmer geworden, ohne es rechtzeitig zu bemerken.
Ärmer an Neugier. An Erfahrungen. An innerer Beweglichkeit.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich deshalb mehr als die schwierigen Ereignisse.
Ich sehe, wie viel ich gelernt habe.
Wie viel ich gelesen habe. Wie viele Gespräche möglich wurden. Wie viel Zeit ich hatte, um Zusammenhänge zu verstehen, mich weiterzubilden, neue Interessen zu entdecken.
Und ich sehe auch, wie viel Spaß dieses Leben enthalten hat.
Das gehört dazu.
Die Leichtigkeit. Das Lachen. Die spontanen Entscheidungen. Ein Abend, der länger wurde als gedacht, weil niemand gehen wollte.
Wir erzählen Entwicklung oft so ernst, als müsse jede Erkenntnis unter Anstrengung entstehen.
Doch manchmal erkennen wir gerade in unserer Freude, was uns lange gefehlt hat.
Wir lachen und merken: So fühlt es sich an, wenn ich mich nicht ständig zurückhalten muss.
Wir verlieren beim Lesen das Zeitgefühl und entdecken, wie lebendig unser Denken noch ist.
Wir betreten eine Ausstellung und bleiben vor einem Bild stehen, ohne erklären zu können, weshalb es uns berührt.
Auch darin kann Veränderung lieg