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Back to EpisodesRuhepol Folge 101
Description
RUHEPOL – Dein Podcast für Inspiration und innere Balance
wissen – und trotzdem vielleicht Mit Special Guest Marc Aurelius
Über Zwischentöne, Wertschätzung, Selfcare und die Freiheit, sich nicht sofort entscheiden zu müssen
Willkommen bei Ruhepol – deinem Podcast für Inspiration und innere Balance.
Vielleicht – ein kleines Wort mit großer Bedeutung
Es gibt Wörter, die benutzen wir beinahe täglich, ohne lange über sie nachzudenken.
„Vielleicht“ ist so ein Wort.
Sieben Buchstaben, die erstaunlich viel offenlassen.
Vielleicht komme ich. Vielleicht später. Vielleicht hast du recht. Vielleicht weiß ich es längst. Vielleicht möchte ich nur noch nicht darüber sprechen.
Philologisch bezeichnet „vielleicht“ zunächst eine Möglichkeit: Etwas ist weder sicher bejaht noch ausgeschlossen. Das Wort geht historisch auf die Verbindung „viel leicht“ zurück und trug ursprünglich den Gedanken in sich, dass etwas durchaus oder sehr leicht möglich sein könnte.
Doch im Alltag ist das Vielleicht längst mehr als eine sprachliche Wahrscheinlichkeitsangabe.
Es kann Hoffnung ausdrücken, Zweifel und Vorsicht. Es kann höflich sein, diplomatisch, ausweichend oder schützend. Manchmal hält es Möglichkeiten offen. Manchmal verschafft es uns Zeit.
Und manchmal wissen wir die Antwort längst.
Alles wissen – und trotzdem vielleicht
Wir leben in einer Zeit, in der Wissen scheinbar überall verfügbar ist.
Wir können innerhalb von Sekunden recherchieren, vergleichen, nachlesen und überprüfen. Daten, Studien, Nachrichten und Meinungen begleiten uns beinahe rund um die Uhr.
Gleichzeitig scheint von uns erwartet zu werden, ebenso schnell zu wissen, was wir denken.
Ja oder Nein.
Dafür oder dagegen.
Richtig oder falsch.
Mitmachen oder ablehnen.
Doch der Mensch funktioniert nicht wie Fritzchens Baukasten, in dem jedes Teil nur an eine bestimmte Stelle gehört.
Unser Denken ist komplexer.
Wir können etwas wissen und trotzdem zweifeln. Wir können überzeugt sein und dennoch offenbleiben. Wir können einen Menschen verstehen und trotzdem Abstand halten. Wir können vergeben, ohne zu vergessen. Wir können uns nach Nähe sehnen und gleichzeitig Ruhe brauchen.
Das ist kein Widerspruch.
Es ist Differenzierung.
Vielleicht ist gerade das eine Form von Reife: auszuhalten, dass nicht jede Frage sofort eine eindeutige Antwort braucht.
Wenn „vielleicht“ keine Unsicherheit ist
Ein Vielleicht muss deshalb nicht bedeuten:
Ich weiß nicht, was ich will.
Es kann ebenso bedeuten:
Ich weiß sehr genau, was ich denke. Aber ich entscheide selbst, wann ich daraus eine Entscheidung mache.
Manchmal kennen wir eine Wahrheit und sprechen sie trotzdem nicht sofort aus.
Vielleicht möchten wir einen anderen Menschen nicht verletzen. Vielleicht wollen wir eine Beziehung schützen. Vielleicht benötigen wir Zeit, um die Konsequenzen einer Entscheidung abzuwägen.
Und manchmal schützen wir uns selbst.
Nicht jede Wahrheit muss in dem Augenblick ausgesprochen werden, in dem wir sie erkennen.
Nicht jede Erwartung anderer verpflichtet uns zu einer Antwort.
Das Vielleicht schafft einen Zwischenraum zwischen Wissen und Handeln.
Und dieser Zwischenraum kann wichtig sein.
Wenn Erfahrungen unsere Antworten verändern
Dazu gehört auch unsere Vergangenheit.
Wer über längere Zeit viel gegeben, funktioniert, sich angepasst oder Leistung erbracht hat, ohne sich entsprechend gesehen oder wertgeschätzt zu fühlen, wird möglicherweise irgendwann vorsichtiger mit der eigenen Zeit und Energie.
Vielleicht erinnern wir uns daran, wie es war, nicht gewählt zu werden.
Übersehen zu werden.
Ausgegrenzt zu sein.
Oder zu erleben, dass andere bevorzugt wurden.
Das muss nicht bedeuten, dass man weniger konnte, weniger interess