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Bekommt der Punk Bügelfalten? Christian Rickens und Holger Volland (353)
Description
„Ein Medienhaus muss heute auch in irgendeiner Form eine Wärmequelle sein."
Was braucht ein Medienunternehmen heute mindestens? Für Christian Rickens zuerst eine Idee von sich selbst. Wer nur austauschbare Plattformen betreibt, gedruckt oder digital, erzeugt keine Wärme. Holger Volland nennt es ein Herdfeuer, um das sich Menschen scharen, die ähnlich denken. Die Kunst liegt darin, aus dieser Wärme eine Gemeinschaft zu bauen, in einer App ebenso wie auf Konferenzen.
Holger Volland ist CEO der brand eins Medien AG, davor war er rund zehn Jahre Vizepräsident der Frankfurter Buchmesse. Christian Rickens ist seit dem 1. Juli Chefredakteur, gemeinsam mit Gründerin Gabriele Fischer. Für ihn schließt sich ein Kreis: Seine erste große Magazingeschichte schrieb er als freier Autor für Econy, den Vorläufer von brand eins. Dazwischen lagen gut 26 Jahre mit Manager Magazin, Spiegel Online und dem Handelsblatt samt Morning Briefing. Zwei Monate nach seiner Rückkehr führen die beiden bei GOOD WORK so etwas wie ein erstes Feedbackgespräch.
Auch Punks werden älter. Holger schätzt an Christian, dass er schon beim ersten Mittagessen anders urteilte als die Gründerin und er. Christian bringt einen Newsletter mit politischer Brille mit und die Einsicht, dass kein Journalist die eigene Relevanz überschätzen sollte. Beim Handelsblatt stand er in der zweiten Reihe, bei brand eins spürt er ein extremes Maß an Selbstwirksamkeit.
Zwischen Marke und Vermarktung liegt eine produktive Spannung. Die Marke lebt davon, vorn dran zu sein und gegen den Strich zu bürsten. Der Verleger in Holger hätte manchmal gern genau die Sau auf dem Titel, die gerade alle durchs Dorf treiben. Christian zeigt am Beispiel KI, wie man ein großes Thema trotzdem mit eigenem Dreh besetzt.
Geschichten brauchen Paten. Ein Buch über Rückenschmerzen ist für den Verlag erledigt, sobald es in den Satz geht. Holger wünscht sich weniger Output und Themen, die eine Redakteurin lange begleitet, vom Artikel über den Podcast bis zur Konferenz. Dazu kommen Communities wie das Übernehmertum und eine neue App, die ab Anfang 2027 zum Hub für alles Weitere werden soll.
Worüber wir noch gesprochen haben:
- Clownfisch oder Karpfen: Warum ein Dorfteich für Holger das Langweiligste wäre
- New Work und das Dorfpunk-Schicksal: Wie brand eins Themen beschreibt, bevor sie einen Namen haben
- Wachstum oder Degrowth: Warum Christian sich einen totalen Wachstumsfan nennt
- Personenmarken im Journalismus: Flavour of the Month oder ganz normal?
- KI in der Redaktion: Warum das Ergebnis zählt und der Mensch in der Schleife bleibt
Holger Volland und Christian Rickens ergänzen sich hörbar gut. Der eine denkt in Communities und Geschäftsmodellen, der andere in Geschichten, Titeln und Thesen. Bei den Personenmarken sind sie sich uneins, und sie tragen das offen aus. Genau darin liegt der Reiz dieses Gesprächs: Man hört einem unabhängigen Medienhaus beim Nachdenken über sich selbst zu. Ein Must-Hear für alle, die Medien machen, lieben oder verstehen wollen.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links:
➡️ brand eins
➡️ Newsletter von Christian Rickens und Holger Volland
➡️ Holger Volland auf LinkedIn
➡️ Christian Rickens auf LinkedIn
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