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Zwischen Staub und Ewigkeit

Published 2 days, 5 hours ago
Description
Der Bibeltext Prediger 12,1-14 – ausgelegt von Dorit-Christina Thielmann.

Ein Geburtstag bis Mitternacht

Im August ist unsere Tante 90 Jahre alt geworden. Das war eine besondere Geburtstagsfeier. Die Familie hatte beschlossen, nicht einfach nur am Geburtstag selbst zu feiern, sondern hineinzufeiern. Also ging es schon mit einem Kaffeetrinken am Nachmittag des Vortages los. Mit Zusammensitzen, Erzählen, Bilderanschauen. Zum Abend wurde gegrillt und so langsam verabschiedete sich schon der eine oder andere nach einem langen Arbeitstag und ging ins Bett. Auch ich war hundemüde.

Ich hatte es nicht wirklich erwartet: Unsere Tante hielt tatsächlich bis Mitternacht durch. Sie blieb munter und fröhlich. Um 0 Uhr wurde gratuliert: „Herzlichen Glückwunsch zum 90.!“ Das hat mich schon ziemlich beeindruckt.

Ob ich wohl im Alter noch so fit sein werde? Und überhaupt – wie ist das mit dem Älterwerden? Wann fange ich an, alt zu werden? Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns gibt dazu folgende Information: „Typische Anzeichen des Alterns, wie Falten oder nachlassende Leistungsfähigkeit, können schon mit 20 Jahren auftreten.“
 

Schonungslos ehrlich: Das Alter in Bildern

Tatsächlich widmet die Bibel im Buch Prediger dem Altwerden das letzte Kapitel. Der Schreiber macht dabei etwas, was ich vielleicht gar nicht so gerne höre: Er beschönigt das Alter nicht. Er beschreibt in poetischen Bildern das, was ich im Alter erlebe: die Veränderungen des Körpers.

„Ein Haus“ nennt er den menschlichen Körper. „Die Hüter des Hauses zittern, die Starken krümmen sich“, das kann heißen, das Stehen und Gehen wird mühsam, die Hände zittern und die Kräfte lassen nach. Die „Müllerinnen“ sind ein Bild für die Zähne, die weniger werden. Der Prediger spricht davon, dass die Augen schwächer werden, also die „Fenster des Hauses“. Auch das Hören lässt nach: Die „Türen an der Gasse“ schließen sich, die „Stimme der Mühle“, also die Stimme und die Worte, werden leiser. Dann kommt das weiße Haar – bei manchen schon sehr früh –, der Prediger vergleicht es mit einem blühenden Mandelbaum. Ein schönes Bild. Ja, die Zeit geht weiter.

Der Prediger beschreibt die Ängste des Alters. Man fürchtet sich davor, zu stürzen. Man wird vorsichtiger. Manche Wege werden plötzlich zu einer möglichen Gefahr. Und auch die dunkleren Seiten des Alters für die Psyche werden angedeutet: Einsamkeit, innere Niedergeschlagenheit, vielleicht Zeiten, in denen das Leben schwer auf der Seele liegt.

Kurzum: Der Körper wird schwächer. Das Leben wird zerbrechlicher. Unsere Möglichkeiten werden weniger. „Die silberne Schnur“, der Lebensfaden, zerreißt. Der Prediger beschreibt mit seinen Bildern hier sogar das Sterben: Die Funktionen unseres Körpers hören auf. „Der Eimer zerschellt an der Quelle“: Das Herz hört auf zu schlagen. Der Kreislauf kommt zum Stillstand. Das Leben geht zu Ende. Und dann kommt der endgültige Satz: „Denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt.“
 

Denk an deinen Schöpfer

Und plötzlich wird deutlich: Wir sind hier nicht für immer. Wir sind unterwegs. Unser Leben hier ist vorübergehend. Umrahmt ist diese ganze Beschreibung des Lebens von der Botschaft: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugendzeit.“ – Denk an deinen Schöpfer. Der Prediger gibt hier nicht Anweisungen, wie Sie noch mehr vom Leben haben können. Er sagt: Denken Sie an den, der Sie geschaffen hat. Vergessen Sie auf diesem Weg nicht, wem Sie Ihr Leben verdanken. Denn: „Der Staub kehrt zur Erde zurück, wie er gewesen ist, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.“ Ja, der Körper kehrt zur Erde zurück. Aber der Mensch verschwindet nicht einfach im Nichts.

Das Buch Prediger lässt uns hier wie vor einer offenen Tü

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