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Description
Das Leben unter der Sonne
Das Buch des Predigers hat in der Bibel eine besondere Stellung. Ich muss gestehen, dass ich als Pastor in 40 Jahren meines aktiven Dienstes nie über einen Abschnitt aus diesem Buch gepredigt habe. Bei meiner persönlichen Bibellese hat mich dieses Buch jedoch oft beeindruckt. Hier reflektiert der Autor das menschliche Leben mit einer radikalen Ehrlichkeit. Er spricht Themen und Fragen an, mit denen sich Menschen zu allen Zeiten oft ein Leben lang beschäftigen und auf die sie in diesem Leben keine letzten Antworten bekommen. Warum ist das so?
Das Buch des Predigers ist das einzige Buch in der Bibel, in dem sich Gott nicht offenbart. Hier ist nur allgemein von Gott die Rede, aber nirgends kommt Gott als persönlicher Gott vor, der zu uns Menschen spricht. Stattdessen begegnet uns hier der Prediger, der als gottesfürchtiger Mensch das Leben auf dieser Erde aus der Sicht des begrenzten, für Versuchungen und Selbstüberschätzung anfälligen Menschen beschreibt und reflektiert. Das wird deutlich an der Formulierung „unter der Sonne“. 29-mal kommt sie in diesem Buch vor, auch in Kapitel 6 am Anfang (Vers 1) und am Ende (Vers 12). Damit ist alles das gemeint, was sich auf das Diesseits, d. h. auf diese Erde beschränkt. Der Prediger hat sich sein eigenes Leben und das Leben vieler Menschen sehr genau angeschaut. Und er hat dabei Fragen gestellt, um den Sinn des Lebens zu suchen. Was macht das Leben aus? Worauf kann man das Leben bauen? Was gibt dem Leben Sinn? Was bleibt am Ende eines Lebens, wenn ein Mensch stirbt?
Vier Beobachtungen zum menschlichen Leben
Die Antworten, die der Prediger findet, sind, vorsichtig gesagt, ernüchternd. Alles, was ausschließlich mit dem Diesseits zu tun hat, ist Eitelkeit, Nichtigkeit und Verdruss. Im Kapitel 5 machte der Prediger deutlich, wie viele Übel und Gefahren mit dem Reichtum verbunden sind. Im günstigsten Fall kann jemand Reichtum als Gottesgabe begreifen, verantwortlich damit umgehen und ihn auch für sich genießen. Doch auch das führt oft dazu, dass man nicht bedenkt, wie kurz das Leben ist, und sich nicht auf die Ewigkeit vorbereitet. In Kapitel 6 nun spricht er einige Lebensschicksale an, für die er den Begriff Unglück verwendet. Mit allem, was er hier zum Thema macht, kann ich Menschen verbinden, die das genauso oder ähnlich erlebt haben.
Die erste Beobachtung gilt einem Menschen, der rundum erfolgreich ist. Er hat eine Firma, besitzt ein Haus oder auch mehrere, er genießt hohes Ansehen – doch von heute auf morgen ist er tot. Herzversagen. Er kann alles, was er sich mit viel Mühe erarbeitet hat, nicht genießen.
Die zweite Beobachtung ist so nicht wirklich passiert, sondern vom Prediger ganz bewusst konstruiert. 100 Kinder, ein hohes Alter – das erinnert den Leser an Kinderreichtum und ein langes Leben. Das waren im Alten Testament die Zeichen dafür, dass ein Mensch von Gott ganz besonders gesegnet ist. Doch dann kommt es zu einem Bruch in seinem Leben, sodass er das alles nicht genießen kann, selbst wenn er unvorstellbare 2000 Jahre alt würde, und am Ende wird er nicht einmal begraben. Ein größeres Unglück kann man sich kaum vorstellen.
Die dritte Beobachtung gilt dem Essen. Ich habe mir einmal überlegt, bei wie vielen Anlässen ein gutes und aufwändiges Essen einfach dazugehört. Da kommt eine ganze Menge zusammen. Wie viel Zeit, Kraft und Geld brauchen wir für das Essen! Wie viel Mühe ist damit verbunden! Doch was bringt es uns? Macht es uns wirklich satt? Das Essen steht hier für die menschlichen Grundbedürfnisse wie Schlaf, Kleidung und Unterkunft, Sicherheit, Orientierung, Selbstwert und Lustgewinn. Selbst wenn ich das alles in Hülle und