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Die Kette unter Strom

Episode 58 Published 2 weeks, 5 days ago
Description
VW verlässt den Index / Zulieferer trägt zwei Architekturen / Drei Fragen vor der nächsten Investition

Worum es geht

Mit dem Handelsbeginn am 21. September 2026 verlässt Volkswagen den EuroStoxx 50, achtundzwanzig Jahre nach dessen Gründung. Am selben Tag hat der Konzern seine erwartete operative Umsatzrendite für 2026 auf ein Prozent gesenkt, nach zuvor angekündigten 4,0 bis 5,5 Prozent. Und an über zweihundert Standorten gehen Beschäftigte der Automobil- und Zulieferindustrie auf die Straße. Diese Ausgabe erklärt nicht die Kapitalmarktlage, sondern einen Mechanismus eine Ebene tiefer: den Zulieferer, der zwei Architekturen gleichzeitig finanziert.

Akt 1: Was passiert ist

ISS Stoxx hat in seiner regulären Jahresüberprüfung entschieden, Volkswagen und Wolters Kluwer aus dem EuroStoxx 50 zu entfernen. Nokia und Engie rücken nach. Wirksam ab Handelsbeginn am 21. September 2026. Volkswagen gehörte dem Index seit seiner Gründung an, 28 Jahre lang. Es ist der erste Ausschluss in dieser Zeit.

Allein an Indexfonds hängen mehr als 28 Milliarden Euro, dazu institutionelle Mandate in dreistelliger Milliardenhöhe. Diese Häuser müssen Volkswagen verkaufen, weil sie der Indexzusammensetzung folgen müssen, unabhängig von jeder eigenen Einschätzung.

Ebenfalls am Freitag, dem 18. September, hat Volkswagen seine Prognose für die operative Umsatzrendite 2026 auf ein Prozent gesenkt. Bisher hatte der Konzern eine Spanne von 4,0 bis 5,5 Prozent erwartet. Hinter der Senkung stehen: eine Firmenwertabschreibung auf die Porsche AG von rund 6 Milliarden Euro im dritten Quartal, rund 2 Milliarden Euro zusätzliche Umbaukosten, Abschreibungen auf chinesische Aktiva sowie das anhaltend schwierige Geschäft in China durch Wettbewerb und beschleunigte Nachfrageverschiebung zur Elektromobilität. Der erwartete Konzernumsatz liegt bei rund 315 Milliarden Euro.

Akt 2: Wie es wirklich funktioniert

Elektromodelle von Volkswagen erreichen derzeit 70 bis 80 Prozent der Profitabilität vergleichbarer Verbrenner. Als Gründe nennt der Konzern Batteriekosten, Anlaufkosten in der Produktion und ein neues Lieferantennetz. Genau das ist der scharfe Punkt: Der Umstieg wechselt nicht nur das Produkt, sondern auch den Lieferanten. Wer heute in die Qualifizierung investiert, finanziert einen Übergang, bei dem die Lieferantenliste neu geschrieben wird.

Das Erste Halbjahr 2026 zum Vergleich: Nettogewinn minus 30,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, operative Umsatzrendite 3,8 Prozent nach 4,2 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Die Liquidität verschwindet beim Zulieferer nicht im Verlust, sondern in der Doppelung: Das alte Geschäft zahlt heute die Löhne, für das neue muss qualifiziert werden, bevor ein Stück bestellt ist.

Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet

Drei Prüfpunkte vor der nächsten Investitionsentscheidung:

  • Künftige Aufträge: Welche Komponenten, welche Stückzahlen, ab wann, wie viel davon ist bereits vertraglich zugesagt?
  • Vorfinanzierung: Wer trägt Werkzeuge und Entwicklungsmonate? Was geschieht bei Verschiebung oder Mengensenkung durch den Kunden?
  • Rest des alten Programms: Wenige Ersatzteile über viele Jahre binden Kapazität, Lager und Wissen. Volkswagen sichert nach eigener Darstellung 15 Jahre Ersatzteilversorgung nach Produktionsende zu; die EU-Vorgabe verlangt mindestens sieben Jahre. Jedes dieser Jahre ist gebundene Kapazität für kleine Mengen. Diese Kosten gehören in die Verhandlung.

Die Insolvenzen in der Zulieferindustrie und die heutige Mobilisierung sind Anzeichen für den Druck auf die Kette. Sie beweisen nicht, dass jeder Betrieb dasselbe Problem hat. Sie machen es nur dringlicher, das eigene zu finden.

Zahlen für die Shownotes

  • Erwartete operative Umsatzrendite VW 2026: bis zu 1 Prozent
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