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Back to EpisodesEine Schnur, die nicht reißt
Description
Gemeinsam durch den Traugottesdienst und die Bibellese
Da sitzen die beiden vor mir im Traugottesdienst – aufgeregt, glücklich und voller Freude über diesen wunderbaren Tag. Heute wollen sie sich vor Gott und den Menschen das Ja-Wort geben. Familie und Freunde sind dabei; viele freuen sich mit ihnen, die die beiden bis zu diesem Tag begleitet haben.
Wie gut, dass die beiden einander haben!
Immer wieder einmal werden in Traugottesdiensten Verse aus der heutigen Bibellese zitiert: „Es ist ja besser zu zweit als allein. Wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich. Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“ Wie gut, dass wir nicht allein durchs Leben gehen müssen! Bei der dreifachen Schnur denken wir daran, dass Gott der dritte im Bund des Paares sein will. Auch wenn der Verfasser diesen Bezug vermutlich nicht vor Augen hatte.
Die wenigsten Paare werden die anderen Verse der Bibellese kennen. Die klingen ganz anders: „Da pries ich die Toten, die schon gestorben waren, mehr als die Lebendigen, die noch das Leben haben. Und besser daran als beide ist, wer noch nicht geboren ist.“ Was für ein Kontrastprogramm! Da ist jemand tief deprimiert. Hoffnung ist nicht in Sicht. Beim Blick auf die Welt zeigt sich nichts Helles.
Lebensfreude klingt anders. Menschen können so verzweifelt sein, dass das Leben für sie keinen Sinn mehr ergibt. Von Hiob und vom Propheten Jeremia sind ähnliche Aussagen bekannt. Wie passen die so gegensätzlichen Aussagen aus unserem Abschnitt zusammen?
Die schonungslose Diagnose des Predigers
Das Buch Prediger liefert eine schonungslose Analyse seiner Zeit. Vieles, wonach Menschen streben, ist „eitel“, wie Luther übersetzt hat, ein Windhauch. Es hat keinen Bestand. Reichtum kann das Gefühl der Sinnlosigkeit nicht vertreiben. Was hat man denn vom Leben, wenn das Leben nur Arbeit ist?! „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, sagen wir zu Recht.
Der Verfasser des Buchs lebte in einer Zeit, in der die sozialen Gegensätze groß waren. Einige wenige profitierten von der Armut der vielen. Ihr Machthunger schien keine Grenzen zu kennen. Menschen mussten ihr Hab und Gut verkaufen, um ihre Schulden zu bezahlen. Wenn das nicht reichte, arbeiteten zunächst die Kinder als Sklaven für die Gläubiger. Später traf es dann die Eltern. Dazu kamen Neid und ein unbarmherziger Konkurrenzkampf.
Das alles kommt mir bekannt vor.
An vielen Orten unserer Welt ist genau das Realität. Eine schonungslose Diagnose. Der Prediger macht sich keine Illusionen. Der Blick auf die Welt, so wie sie ist, macht ihn deprimiert und raubt ihm die Hoffnung. – Verstehen kann ich Menschen, die heute angesichts der vielen Krisen wenig Hoffnung für unsere Erde haben. Wo soll das noch enden! Da ist es scheinbar besser, einfach die Augen vor dem Elend in der Welt zu verschließen.