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Kann man Ziele ausrechnen? Marco Alberti (350)

Kann man Ziele ausrechnen? Marco Alberti (350)

Episode 350 Published 1 month ago
Description
Unternehmensphilosoph Marco Alberti über den Evident Flow, den Preis der Priorisierung und Ziele, die eine KI vorschlägt

„Die falschen auszusortieren ist keine Kunst."

Was ist eigentlich eine Strategie? Für Marco Alberti ist sie selten das, was in den PowerPoints der Geschäftsführung steht. Dort stehen ökonomische Wunschvorstellungen: Marktführer werden, zwanzig Prozent mehr Rendite, eine Milliarde Umsatz. Legitim, sagt er, jeder darf sich etwas wünschen. Nur hat ein Wunsch keine sortierende Wirkung. Eine Strategie erkennt man daran, dass sie beim Entscheiden hilft.

Marco Alberti nennt sich Unternehmensphilosoph. Mit Murakamy führt er seit rund fünfzehn Jahren OKRs in Unternehmen ein, vom Startup bis zum Konzern, in tausenden Stunden Workshop. Aus den immer gleichen Grenzen dieser Arbeit ist etwas Neues entstanden: der Evident Flow, ein Open-Source-Framework für die Steuerung von Unternehmen in komplexen Umfeldern.

Priorisieren heißt, einen Preis zu zahlen.
Eis oder Schokolade, fragt Marco, und die Antwort lautet meistens beides. Bei Dreijährigen geht das in Ordnung. Im Management wird daraus die Weigerung, sich zwischen Dingen zu entscheiden, die um dieselben Ressourcen konkurrieren. Verfaulte Früchte aussortieren kann jeder. Anspruchsvoll wird es bei den guten.

Erst die Landkarte, dann die Ziele.
Bevor ein Ziel formuliert wird, gehört geklärt, wer überhaupt auf der Landkarte steht: Kundinnen, Mitarbeitende, Lieferanten, Anwohner, Wettbewerber. Was ist diesen Gruppen wichtig, wo steht man gut, wo lässt sich etwas verbessern. Der Evident Flow bewertet jedes Ziel gegen diese Value Map und rechnet daraus einen Index. Aus dem Streit darüber, was wichtiger ist, wird eine sortierte Liste.

Die Realität hält sich nicht an Excel.
Marco arbeitet mit einem geschlossenen Kreislauf: Optionen sichtbar machen, entscheiden, tun, hinterher schriftlich reflektieren. Ein Agent begleitet den Tag und hakt nach, wenn zu viele Baustellen offen sind. Dazu kommt eine Ebene, auf der digitale Zwillinge der eigenen Leute die Wirkung von Zielen schätzen und irgendwann selbst welche vorschlagen.

Worüber wir noch gesprochen haben:
Wertschöpfung und Wertschätzung: Warum immer die anderen bestimmen, was Wert ist
Zeit ausgeben statt investieren: Die einzige Ressource, die ohne Zinsen zurückkommt
Verantwortungsdialog: Wollen, können, sollen oder dürfen
Omakase: Warum ein Framework eine starke Meinung haben darf
Open Source: Was Marco davon hat, sein Werk offenzulegen

Marco Alberti macht es einem angenehm schwer. Er verteidigt die Wunschvorstellungen der Geschäftsführung als legitim und nimmt ihnen im selben Atemzug jede Autorität. Er glaubt weder daran, dass man Menschen zur Veränderung überreden kann, noch daran, dass man sie einfach machen lassen sollte. Was bleibt, ist ein Rahmen, der die Komplexität dort aufnimmt, wo sie ohnehin verarbeitet werden muss, damit der Rest der Organisation morgens weiß, was heute dran ist. Ein Must-Hear für alle, die ihre Strategiearbeit einmal ehrlich anschauen wollen.

Interview: Jule Jankowski

Weiterführende Links:
➡️ Marco Alberti auf LinkedIn
➡️ Evident Flow, die offizielle Dokumentation
➡️ Murakamy
➡️ OKR, Die Kunst die richtigen Dinge nicht zu tun

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