Episode Details
Back to EpisodesÜberwachungsstaat Schweiz? Der Proton-Chef Andy Yen schlägt Alarm
Description
Mehr Sicherheit durch mehr Überwachung? Andy Yen befürchtet das Gegenteil: Zusätzliche Zugänge für Behörden könnten digitale Dienste angreifbarer machen. Und die Schweiz könnte mit neuen Überwachungspflichten Unternehmen ins Ausland treiben, deren Geschäft auf dem Schutz vertraulicher Daten beruht.
Für den Gründer und CEO von Proton hat dieser Konflikt bereits Folgen: Neue Infrastruktur baut das Unternehmen nach seiner Darstellung im Ausland auf. Die Frage nach den Grenzen staatlicher Überwachung wird damit zur Frage nach der Zukunft von Proton in der Schweiz.
Prof. Nora Markwalder befragt Yen zu seinen Warnungen und zur Verantwortung von Proton. Denn vertrauliche Kommunikation schützt auch Menschen, die Straftaten begehen. Was tut das Unternehmen dagegen? Im englischsprachigen Livegespräch an der Tagung «Digitalisierung des Straf- und Strafprozessrechts» in Zürich treffen diese Fragen aufeinander.
Darum geht es in dieser Folge
- Warum Andy Yen die Speicherung von Kommunikationsdaten aller Nutzer:innen von der Unterstützung einer konkreten Strafuntersuchung trennt.
- Was Metadaten über Menschen verraten können, auch wenn der Inhalt ihrer Nachrichten vertraulich bleibt.
- Weshalb Yen in automatisierten Behördenzugängen ein Sicherheitsrisiko sieht.
- Warum aus seiner Sicht schon die Unsicherheit über neue Pflichten Investitionen aus der Schweiz verdrängt.
- Wie Proton im Wettbewerb mit Google und Microsoft den Schutz der Privatsphäre zum Geschäftsmodell macht.
- Was Yen auf den Vorwurf antwortet, Proton erleichtere auch kriminelle Aktivitäten.
- Wie das Sperren von E-Mail-Konten Ransomware-Erpressungen erschweren soll – und welche Fragen damit offenbleiben.
- Weshalb Yen mehr technisches Wissen und eine engere Zusammenarbeit mit der Strafverfolgung fordert.
Die erste Grenze: Ermitteln im konkreten Fall oder Daten aller Menschen sammeln?
Yen erklärt sich bereit, Polizei und Staatsanwaltschaft bei konkreten Ermittlungen zu unterstützen. Seine erste rote Linie ist die vorsorgliche Speicherung von Kommunikationsdaten sämtlicher Nutzer:innen. Im Gespräch kritisiert er eine sechsmonatige Aufbewahrung, die auch Menschen erfasst, gegen die kein Verdacht besteht.
Dabei geht es um Metadaten: Angaben über eine Kommunikation, etwa darüber, wer wann mit wem in Verbindung stand. Der Inhalt einer Nachricht kann geschützt bleiben, während sich aus solchen Spuren persönliche Beziehungen und Gewohnheiten erschliessen lassen.
Für Yen liegt der entscheidende Eingriff bereits beim Sammeln. Dass die Speicherung technisch machbar ist, beantwortet für ihn noch nicht die Frage, ob sie gerechtfertigt ist.
Der Grundkonflikt: Ermittlungsbehörden können rückblickend auf Spuren angewiesen sein, deren Bedeutung beim Entstehen noch niemand kennt. Eine vorsorgliche Speicherung hält solche Spuren verfügbar und erfasst dabei auch Unbeteiligte. Diese Erfassung aller Nutzer:innen lehnt Yen ab.
Die zweite Grenze: Wer schützt den Zugang der Behörden?
Yens zweiter Einwand betrifft die Sicherheit der Systeme. Er befürchtet, dass automatisierte behördliche Zugänge zusätzliche Angriffsmöglichkeiten schaffen. Im Gespräch nennt er das eine «Backdoor», eine Hintertür, und formuliert:
«There's no such thing as a backdoor that only lets a good guy in.»
Sein Argument: Ein Zugang lässt sich rechtlich auf bestimmte Zwecke beschränken. Technisch muss er auch gegen unbefugte Nutzung geschützt werden. Was geschieht, wenn Angreifer Zugangsdaten erbeuten oder eine Schwachstelle ausnutzen? Yen warnt davor, dass sich eine Sicherheitslücke bei einer staatlichen Stelle auf angeschlossene Unternehmen auswirken könnte.
Proton müsst