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Back to EpisodesDer Gerechte wird leben
Description
1. Unruhige Zeiten im Vorderen Orient
Unruhige Zeiten sind das, in denen wir leben. Das verbindet Sie und mich mit der Zeit vor 2.600 Jahren im Vorderen Orient, als in Israel der Prophet Habakuk seinen Auftrag bekam.
Auffällig an diesem Propheten ist: Er hat ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein. Ist ja gut, dass Gott eingreifen wird – aber warum lässt er sich so viel Zeit mit seinem Gerichtshandeln?
Es klingt, als ob der Prophet Habakuk es zunächst einmal mit Komplimenten versucht, Gott zum Handeln zu bringen. Tatsächlich offenbaren Habakuks Worte, die er an Gott richtet, aber seine Irritation, sein Rätseln. Was er erlebt und beschreibt, das bringt er nicht mit seiner Vorstellung von Gott zusammen. Als Angehöriger des Volkes Israel weiß der Prophet: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist zuverlässig und steht zu dem, was er den Erzvätern versprochen hat. Und auch die Anweisungen an das Volk, das viele Generationen vorher der Sklaverei in Ägypten entkommen ist, sind ihm gegenwärtig. Von daher ist dem Propheten garantiert auch bewusst: Gott liebt sein erwähltes Volk – aber er hat noch nie einen Zweifel daran gelassen, dass er ein eifersüchtiger Liebhaber ist. Nur kann oder mag es sich Habakuk nicht vorstellen, wie konsequent Gott in seinem Zorn über sein treuloses Volk zu handeln vermag. Wie viel schlimmer es noch kommen kann.
DASS es schlimm kommen kann, das steht dem Propheten klar vor Augen. Das Nordreich Israel ist bereits untergegangen, zehn der zwölf Stämme Israels sind unter der unerbittlichen Herrschaft der Assyrer in alle Winde zerstreut worden. Habakuk hat seinen Auftrag ja gerade in dem geschichtlichen Augenblick erhalten, als die Chaldäer und ihr neubabylonisches Reich das assyrische Großreich ablösen – auch das nicht mit gutem Zureden, sondern mit roher, gnadenloser Gewalt.
2. Habakuks Blick auf die Geschichte
Soll das nun ewig so weitergehen? Wird das geprüfte und geschlagene Volk Israel, wird Gottes Volk überhaupt jemals wieder zu einem geordneten, friedlichen Dasein zurückfinden? Darüber lässt Gott den Propheten nicht im Unklaren. Auf Habakuks Fragen hin gibt Gott Antworten – im Klartext.
Schlüsselworte in diesem Abschnitt des Buches Habakuk sind die Begriffe „Treue“ und das schiere Gegenteil davon: Untreue oder Treulosigkeit. Der Prophet fragt Gott: „Warum siehst du den Treulosen zu“ bei ihrem Treiben? Und das auch noch so lange? Und Habakuk erhält tatsächlich eine Antwort: „Derjenige, der nicht aufrichtig ist, erhält seine Strafe. Ein Gerechter aber wird durch seine Treue leben“ – so übersetzt die BasisBibel Habakuk 2,4. Sprich: Untreue zahlt sich nicht aus, treuloses Verhalten wird sich rächen. Auch wenn das etwas länger dauern kann – für Betroffene, für die Opfer womöglich unerträglich lang.
Wir Menschen leben ja von Geburt an gegen die Uhr – zumindest gefühlt haben wir erschreckend wenig Zeit. Ich merke es an mir selbst: Ich bin mittlerweile ins siebte Lebensjahrzehnt eingetreten, und wer erst einmal die 60 geknackt hat, wird bei bestimmten Prozessen entweder ungeduldig – oder stellt sich die Frage: Werde ich dieses oder jenes Ergebnis, diese oder jene ersehnte Veränderung überhaupt noch erleben? Oder kommt das vielleicht erst der nächsten Generation zugute, wenn überhaupt?
Habakuk bekommt auf seine Frage: „Warum siehst du denen zu, die Unrecht begehen?“ zur Antwort: „Die Verheißung wird zu einer bestimmten Zei