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Eine Antwort auf Unrecht

Published 2 weeks, 3 days ago
Description
Der Bibeltext Habakuk 1,1-11 – ausgelegt von Tim Philipp Holler.

Habakuks Zeit und Auftrag

Mit dem heutigen Bibeltext beginnt das Buch des Propheten Habakuk. Das Buch hat nur drei kleine Kapitel. Und diese sind in der Lutherbibel einheitlich mit den Worten überschrieben: „Gott bleibt gerecht“. Wenn ich das höre, dann finde ich das zunächst widersprüchlich. Denn Habakuk schreit nach Gott und fühlt sich nicht gehört. Er verzweifelt daran, dass er Böses sieht. Dass Gewalt vor Recht geht. Und dass verkehrte Urteile gesprochen werden. Das klingt überhaupt nicht nach Gerechtigkeit.

Worum geht es also im heutigen Text? Was bedeutet es, wenn Gott die Chaldäer erwecken will?

Was hat der Prophet Habakuk damit zu tun? Und was will mir heute ein solcher Text sagen, der aus dem 7. Jahrhundert vor Christus stammt?

Los geht es mit einer kleinen geschichtlichen Einführung in die Zeit von Habakuk. Sein Buch fällt in die Jahre, in denen die Chaldäer von ihrer Hauptstadt Babylon aus das babylonische Reich aufgebaut haben und dieses das assyrische Weltreich ablöst. Damals ist die Situation in Israel schwierig. Das Land ist geteilt in das Südreich Juda und das schon von Assyrien besiegte Nordreich Israel. Beide Teile haben sich mehr oder weniger an die Religionen ihrer verfeindeten Nachbarstaaten angepasst. Und in dieser Zeit des Abstiegs beruft Gott Habakuk zum Propheten.

In der Stellenausschreibung für das Prophetenamt stehen oft schwere Aufgaben. Gott achtet genau darauf, wem er seinen Willen zeigen möchte. Ein Prophet sieht, dass der Gott der Bibel nicht naiv ist, sondern dass dieser Gott ernsthaft will, dass Menschen zu ihm umkehren. Er sieht, dass Ungehorsam Folgen hat und dass Gott über Schuld nicht einfach hinweggeht. Gott will vergeben.

Und hier muss ein Prophet Klartext sprechen können. Er muss es ertragen, wenn seine Aufrufe nur selten Erfolg haben. Ja, ein Prophet sollte leidensfähig sein. Denn vielleicht kann er gerade dann besonders gut mit den Betroffenen mitleiden und für sie beten. Und dazu gehört auch, dass Propheten an die Grenze ihrer Kraft kommen. So geht es Habakuk, wenn er ruft: „Herr, wie lange soll ich schreien und du willst nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen und du willst nicht helfen?“ Habakuk klagt darüber, dass Gott dem Unrecht zuschaut.

Habakuks Klage über das Unrecht

Und das ist das Thema im ersten Teil des heutigen Abschnitts: Warum straft Gott nicht die Bösen? Wie kann Gott das nur zulassen? Wieso? Weshalb? Warum? Habakuk ist ein Mann der Fragen. Und Gott hört ihm zu. Habakuk bringt das Unrecht so allgemein, dass sich viele Gesellschaften und Epochen darin finden können.

Und auch ich kann mich heute darin wiederfinden: Ich klage vielleicht über die soziale Ungerechtigkeit. Manche verzweifeln vielleicht daran, dass sie liebe Menschen verloren haben. Andere klagen darüber, wie sie um ihr Erbe gebracht wurden oder wie sie unter Mobbing leiden. Man kann leicht darüber verbit

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