Episode Details
Back to EpisodesFrüher war ein Werk im Ausland ein Sieg. Heute ist es ein Ausweg.
Description
Thema dieser Ausgabe
Der KfW-Internationalisierungsbericht 2026 zeigt: Acht Prozent der auslandsaktiven Industriebetriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Teile ihrer Produktion verlagert. Neunundzwanzig Prozent planen es für die kommenden fünf. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher nennt das ein Warnzeichen und ergänzt: Selbst wenn nur die Hälfte dieser Pläne Realität wird, übertrifft das alles bisher Dagewesene. Dahinter stecke, dass der Standort an Attraktivität verloren habe.
Hinweis zum Erhebungsdatum: Die Befragung fand im Januar 2026 statt, also vor dem Krieg im Iran und vor der Schließung der Straße von Hormus. Die 29-Prozent-Zahl bildet die Stimmung von Anfang 2026 ab, nicht den heutigen Stand.
Akt 1: Was passiert ist (KfW-Internationalisierungsbericht 2026)
Grundlage: Befragung von rund 1.700 mittelständischen Unternehmen, davon rund 600 im Ausland aktiv, Sonderbefragung 12. bis 21. Januar 2026.
- 8 Prozent der auslandsaktiven Industriebetriebe haben in den vergangenen 5 Jahren Teile ihrer Fertigung verlagert.
- 29 Prozent planen entsprechende Schritte für die kommenden 5 Jahre.
- Seit 2022 stagnieren die Auslandsumsätze des Mittelstands; inflationsbereinigt sanken sie 2024 um 2,9 Prozent.
- 2024 waren rund 819.000 der knapp 3,9 Millionen deutschen Mittelständler im Ausland aktiv (ca. 21 Prozent); im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Anteil deutlich höher (rund 46 Prozent).
- 30 Prozent der Auslandsaktiven rechnen mit sinkenden Auslandsumsätzen in den kommenden Jahren.
- 19 Prozent aller auslandsaktiven Mittelständler, in der Industrie 24 Prozent, wollen den Export stärker auf den EU-Binnenmarkt ausrichten.
Zitat Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW (Welt am Sonntag, 5. September 2026): „Wenn auch nur die Hälfte dieser Unternehmen ihre Pläne realisiert, würden wir zukünftig eine deutlich stärkere Verlagerung sehen als in der Vergangenheit. Dies ist ganz klar ein Warnzeichen." Dahinter stecke, dass der Standort an Attraktivität verloren habe.
Akt 2: Wie es wirklich funktioniert (Chinesischer Wettbewerb und Standortkosten)
Der Mittelstand richtet sich nicht nach Asien aus, sondern nach Europa zurück. Der Treiber ist nicht Expansion, sondern Risikominimierung. China taucht in der Standortrechnung nicht mehr als Ziel, sondern als Wettbewerbsdruck auf: Der Maschinenbau, der letzte Exporthort deutscher Industriestärke, bekommt aus China Konkurrenz zum halben Preis bei steigender Qualität. Wer heute in Richtung EU-Binnenmarkt dreht, sortiert ein Portfolio neu, in dem der Heimatstandort die teuerste Position geworden ist.
Kostentreiber laut KfW Research: Bürokratie (65 Prozent der international tätigen Mittelständler sehen sie als hohes Risiko, 2023 waren es 48 Prozent), Energiepreise, Lieferengpässe, geopolitische Unsicherheit.
Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet (Insolvenzkulisse und Handlungsrahmen)
Creditreform, 1. Halbjahr 2026:
- 12.900 Unternehmensinsolvenzen, plus 7,8 Prozent zum Vorjahr, höchster Stand seit 2013.
- Dienstleistungssektor: plus 12,6 Prozent (knapp 7.900 Fälle, 61,2 Prozent aller Insolvenzen).
- Unternehmen bis zwei Jahre am Markt: plus 25,3 Prozent.
- Betriebe über 250 Beschäftigte: plus 28,6 Prozent, überdurchschnittlich stark.
- 81,0 Prozent aller Fälle: Firmen mit weniger als 10 Beschäftigten.
- Rund 38.800 Verbraucherinsolvenzen.
- Schadenssumme für Gläubiger: rund 28,5 Milliarden Euro.
- Rund 165.000 betroffene Arbeitsplätze (1. Halbjahr 2025: 143.000).
Treiber laut Creditreform: Folgen mehrjähriger Rezession, Nahostkonflikt, Energiepreisschock, Nachfrageschwäche.
Zur Standortrechnung: Die KfW-Befragung stammt aus dem Januar 2026, also vor dem Krie