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Back to EpisodesGastfreundschaft leben
Description
Eine unerwartete Bitte an der Haustür
Es klingelt an meiner Haustür. Ich öffne und ein junger Mann steht vor mir, den ich noch nie gesehen habe. Neben ihm ein kleiner Reisekoffer. Schon an dieser Stelle habe ich wahrscheinlich unwillkürlich einen etwas abwehrenden, zumindest sehr abwartenden inneren Impuls. Was will dieser Mensch von mir? Ehe ich darüber spekulieren kann, werde ich von meinem Gegenüber auch schon aufgeklärt. Und zwar so, dass meine Skepsis noch deutlich größer wird. „Ich hätte eine große Bitte“, höre ich den Unbekannten mit leicht ausländischem Akzent sagen. „Könnte ich die nächsten zwei Nächte bei Ihnen übernachten? Ich bin Theologiestudent und will morgen und übermorgen an einem Seminar hier in der Stadt teilnehmen.“ – Die Gedanken in meinem Kopf überschlagen sich: Wie kommt der auf mich? Denkt er allen Ernstes, ich lasse ihn einfach so bei uns schlafen? Warum nimmt er kein Hotelzimmer? Ist die Geschichte überhaupt wahr oder nur eine ganz hinterhältige Gaunernummer? Wie soll ich reagieren?
Wie hätten Sie an meiner Stelle reagiert? Zugegeben: Diese Geschichte ist mir so nie passiert und deshalb musste ich mich auch gar nicht entscheiden. Aber vor knapp 2.000 Jahren befindet sich ein gewisser Gaius wohl in einer sehr ähnlichen Situation. Der Mann, der damals wahrscheinlich vor ihm steht, heißt Demetrius, ein Christ, der ein Zuhause auf Zeit in der Stadt braucht, in der Gaius wohnt. Gaius kennt Demetrius bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber beide haben einen gemeinsamen Bekannten: den Apostel Johannes. Und damit Demetrius nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen, sondern im Gegenteil freundlich geöffnet wird, schreibt Johannes einen Brief an Gaius, den er Demetrius mitgibt. Als Empfehlungsschreiben sozusagen. „Alle haben Demetrius ein gutes Zeugnis ausgestellt. Und auch die Wahrheit spricht für ihn. Wir können ihm das ebenfalls bestätigen. Und du weißt, dass alles wahr ist, wofür wir als Zeuge einstehen.“ So wird der Vers 12 in der Basisbibel übersetzt.
Gaius und Demetrius: Gastfreundschaft mit Empfehlung
Wie Gaius auf diesen Empfehlungsbrief des Johannes reagiert, wissen wir nicht. Es liegt aber sehr nahe, dass er Demetrius bei sich aufnimmt. Denn offensichtlich ist er dafür bekannt, dass er sein Haus anderen Christen bereitwillig öffnet, sogar denen, die er vorher gar nicht gekannt hat. So ist es Johannes jedenfalls zu Ohren gekommen von Mitchristen, die die Gastfreundschaft des Gaius bereits genießen durften.
Und so sehr Johannes sich über diese gelebte geschwisterliche Liebe des Gaius freut, so sehr drückt er seine Verärgerung über das ganz andere Verhalten eines Mannes namens Diotrephes aus. Dieser fällt nicht nur dadurch negativ auf, dass er in der Gemeinde, zu der auch Gaius gehört, nur zu gerne die erste Geige spielen möchte. Er hat darüber hinaus auch ein Problem mit Johannes. Einen Brief, den Johannes an die Gemeinde geschrieben hat, redet er schlecht und nimmt es dabei mit der Wahrheit nicht besonders genau. Christen wie Demetrius, die Kontakt zu Johannes haben, werden abgewiesen und weggeschickt. Ja, sogar die, die sie eigentlich als Gäste aufnehmen wollen, werden von Diotrephes daran gehindert.
Wie wird Gaius nun reagieren? Kann er dem Druck dieses ach so wichtigen und mächtigen Mannes der Gemeinde standhalten?
Diotrephes und der Druck in der Gemeinde
Johannes empfiehlt ihm jedenfal