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Back to EpisodesEine Stille, die schwer in den Räumen hängt
Description
Sprecherin – Die Herrin
Es ist still geworden. Nicht diese friedliche Stille nach einem gelungenen Abend. Sondern eine Stille, die schwer in den Räumen hängt. Früher blieben die Menschen noch lange zusammen. Sie lachten. Sie beteten. Sie erzählten davon, wie sie Jesus erlebt hatten. Heute gehen viele wortlos nach Hause. Ich sehe ihre Gesichter. Gerunzelte Stirnen. Fragende Blicke. Manche stehen noch in kleinen Gruppen beieinander. Sie reden leise. Immer wieder fallen dieselben Worte.
„Woher will er das wissen?“
„Vielleicht stimmt das ja doch …“
Aber Johannes hat doch damals etwas ganz anderes gesagt.“
Ich gehe an ihnen vorbei und höre nur Satzfetzen. Wie Scherben. Nichts ergibt mehr ein Ganzes. Vor wenigen Monaten war unser Glaube noch wie ein gemeinsames Feuer. Einer brachte Holz nach, der andere schützte die Glut vor dem Wind. Jetzt fühlt es sich an, als würde jeder mit einer anderen Fackel in eine andere Richtung laufen. Die neuen Lehrer reden überzeugend.
Sie haben auf alles eine Antwort. Sie sprechen klug. Gebildet. Selbstsicher. Manche hängen an ihren Lippen. Und je länger sie reden, desto kleiner wird Jesus. Fast unbemerkt. Erst ist er nicht mehr wirklich Mensch. Dann wird seine Geschichte zu einem Bild. Und irgendwann bleibt von ihm nur noch eine gute Idee. Ich sehe Menschen nicken. Menschen, mit denen ich Brot gebrochen habe. Menschen, die einmal mit Tränen in den Augen von der Hoffnung erzählt haben, die sie in Christus gefunden hatten. Jetzt höre ich sie sagen:
„Vielleicht muss man das heute einfach anders sehen.“
Vielleicht. Dieses Wort verfolgt mich. Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht.
Zwischen vielen Stimmen
Es legt sich wie Nebel über unsere Gemeinde. Und im Nebel verliert selbst der hellste Weg seine Konturen. Manchmal frage ich mich, ob ich selbst noch klar sehe. Ob ich mich irre. Ob sie recht haben. Ob wir uns all die Jahre geirrt haben. Es ist ein schreckliches Gefühl. Nicht zu wissen, woran ich mich festhalten soll. Ich glaube, Menschen kennen dieses Gefühl bis heute. Die Stimmen sind nur lauter geworden. Nicht mehr nur auf unseren Versammlungen. Sondern überall. In Büchern. In Nachrichten. Im Netz. In Podcasts. Auf Bildschirmen, die ich ständig in den Händen halte. Jeder behauptet, den richtigen Weg zu kennen. Jeder erklärt, was wahr ist. Und je mehr Stimmen sprechen, desto schwerer wird es, die eine zu hören, nach der sich das Herz eigentlich sehnt. Also habe ich geschrieben. An Johannes. Den alten Jünger. Einen, der Jesus noch selbst erlebt hat. Heute kommt seine Antwort. Ich habe das Siegel vorsichtig gelöst. Meine Hände haben gezittert. Nicht vor Angst. Vor Hoffnung. Vielleicht bringt dieser Brief Licht in unseren Nebel.
Die Wahrheit ist eine Person
Als ich den Brief zu Ende gelesen hatte, bleibe ich lange sitzen.
Der Abend ist inzwischen hereingebrochen. Durch das Fenster fällt nur noch das letzte Licht des Tages. Und plötzlich wird mir klar, wonach ich die ganze Zeit gesucht habe. Ich habe nach ein