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Krieg ohne Leichen: Wie Bundeswehr und Rüstungsfirmen in die Hirne und Herzen von Minderjährigen eindringen

Published 1 day, 14 hours ago
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Die Meinungsmache der Militaristen macht mörderische Militärtechnik scheinbar mühelos verständlich. Inzwischen findet sich diese Art der „Information“ sogar in denselben Feeds wie Gaming, Musik, Comedy oder Alltagserlebnisse von Influencern. Wenn militärische Gewalt im Gewand von Unterhaltung und Technikvermittlung in den Alltag junger Menschen gelangt, ist eine Grenze überschritten. Von Detlef Koch.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Wenn der Marschflugkörper zum „Content“ wird

„Diese Superrakete“ – mit diesen Worten beginnt ein Beitrag des Reservistenverbands der Bundeswehr über den Taurus-Marschflugkörper. Was folgt, klingt nicht nach einer politischen Debatte über Krieg und Frieden, sondern nach einem kurzen, unterhaltsamen Technikvideo. Der Taurus „findet seinen Weg“ wie mit „Google Maps“, hat „Flügel“, fliegt in geringer Höhe und verfügt über einen Gefechtskopf, der „zweimal“ explodiert. Die Sprache ist locker, direkt und niedrigschwellig, ja geradezu euphemistisch. Sie macht mörderische Militärtechnik scheinbar mühelos verständlich. Gerade darin liegt ihre kommunikative Kraft. Denn der Beitrag erklärt nicht nur eine Waffe – er verwandelt sie in ein faszinierendes technisches Objekt.

Für Kinder und Jugendliche, die politische Informationen zunehmend über soziale Medien aufnehmen, ist diese Form der Vermittlung nicht belanglos. Eine Broschüre des Verteidigungsministeriums tritt erkennbar als institutionelle Information auf. Ein solches Video begegnet seinem Publikum dagegen im selben Feed wie Gaming, Musik, Comedy oder Alltagserlebnisse von Influencern. Die politische Botschaft erscheint dadurch nicht notwendig als politische Botschaft. Sie kommt als Unterhaltung, als persönliche Ansprache, als kurzer Wissenshappen. Die Forschung beschreibt genau diese beiläufige politische Exposition als eine Besonderheit sozialer Medien: Politische Inhalte können Menschen erreichen, ohne dass sie ursprünglich danach gesucht haben.

Hinzu kommt die Sprache. Die Zerstörungskraft der Waffe wird nicht verschwiegen, aber sie wird technisiert. Dass ein Marschflugkörper in Bunker, Brücken oder Kommandozentralen eindringen kann, erscheint als technische Besonderheit seines Designs. Die Menschen, die sich in diesen Gebäuden befinden könnten, kommen nicht vor. Ebenso wenig die politischen Entscheidungen, die einem solchen Einsatz vorausgehen, die Möglichkeit einer Eskalation oder die Folgen für Menschen, die von Krieg unmittelbar betroffen sind. So wird aus einer Waffe ein faszinierendes Gerät und aus organisierter Gewalt wird eine technische Funktion.

Hohes manipulatives Potenzial

Diese Form der Kommunikation besitzt ein hohes manipulatives Potenzial, weil sie die Aufmerksamkeit lenkt, emotionale Zugänge schafft und politische und moralische Fragen gegenüber der technischen Faszination in den Hintergrund treten lässt. Besonders problematisch ist dabei die scheinbare Nähe. Der Sprecher redet nicht wie ein Militärsprecher, sondern wie jemand, der seinem Publikum etwas Interessantes zeigt.

Am Ende steht folgerichtig nicht die Frage nach den verstümmelten Körpern und dem Grauen des Krieges, sondern nur die Frage an die Community:

Sollten wir diese Waffe an die Ukraine liefern oder nicht?“

So wird Krieg zur Unterhaltung mit Funfact-Feeling zum Mitmachen – eingebettet in ein Format, das zuvor vor allem Neugier, Faszination und Unterhaltung erzeugt hat. Wenn militärische Gewalt im Gewand von Unterhaltung und Technikvermittlung in den Alltag junger Menschen gelangt, ist eine Grenze überschritten.

Es gibt doch den „AUS-Knopf“ – wirklich?

„Du musst das ja nicht gucken!“, möchte man diesen jungen Leuten zurufen. Aber das ist für eine ganze

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