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Sind Ganganomalien beim Pferd immer vom Reiter ausgelöst?
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Eine Hörerfrage, die eine klare Antwort verdient: Nein. In dieser Folge gehe ich der Frage nach, wie wir Ganganomalien beim Pferd sinnvoll beurteilen können – und warum meine Betrachtung nicht beim Reiter im Sattel beginnt.
Ich schaue zunächst auf die Mechanik, den Bauplan und die Belastbarkeit des Pferdes: auf Wirbelsäule, Becken, Hals, Rumpf und Gliedmaßen, den Muskel- und Faszienstatus sowie mögliche Kompensationsmuster. Dabei spielt auch das Recoil System, also die elastische Funktion von Sehnen und Bändern, eine wichtige Rolle. Ein weiterer Ausgangspunkt ist für mich die Spinal Engine Theory und damit die Frage, Bewegung vom Rumpf und der Wirbelsäule aus zu denken.
Erst wenn diese Grundlagen betrachtet sind, lassen sich Reiter, Sattel, Hilfsmittel und Training sinnvoll beurteilen. Denn natürlich kann falsches oder missbräuchliches Reiten Schäden verursachen – aber nicht jede Ganganomalie lässt sich damit erklären.
Ich spreche außerdem darüber, welche Rolle Zucht, Management und Training innerhalb oder außerhalb der individuellen Toleranzgrenzen spielen und warum gerade frühe Auffälligkeiten im Bauplan eines Jungpferdes ernst genommen werden sollten.
Mein zentraler Gedanke dabei: Eine gute Pferdebeurteilung beginnt früher als beim Reiter im Sattel. Und wenn wir Pferde wirklich verstehen und nachhaltig trainieren möchten, müssen wir diese Perspektive auch in unsere Zucht- und Managemententscheidungen einbeziehen.
Quellen:
Spinal Engine Theory (Grundlagenforschung, ursprünglich Wirbeltier-/Humanbiomechanik, nicht pferdespezifisch): Gracovetsky, S., Iacono, C. (1987). Energy transfers in the spinal engine. Journal of Biomedical Engineering. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3573762/
Fisch-Experiment zur Evolution von Gliedmaßen aus Flossen (Beleg für die Übertragbarkeit des Grundprinzips): Standen, E. M., Du, T. Y., Larsson, H. C. E. (2014). Developmental plasticity and the origin of tetrapods. Nature, 513, 54–58. https://www.nature.com/articles/nature13708 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25162530/
Elastische Energiespeicherung in Sehnen (Recoil-System): Biewener, A. A. (1998). Muscle-tendon stresses and elastic energy storage during locomotion in the horse. Comparative Biochemistry and Physiology B, 120(1), 73“87. ’ https://www.researchgate.net/publication/13498157_Muscle-tendon_stresses_and_elastic_energy_storage_during_locomotion_in_the_horse
Recoil / Sprungfeder-Mechanismus im Bewegungsapparat: Wilson, A. M., McGuigan, M. P., Su, A., van Den Bogert, A. J. (2001). Horses damp the spring in their step. Nature, 414, 895“899. ’ https://www.nature.com/articles/414895a
Passiver Stay-Apparat (Stützmechanismus im Stand): Gussekloo, S. W. S., Lankester, J., Kersten, W., Back, W. (2011). Effect of differences in tendon properties on functionality of the passive stay apparatus in horses. American Journal of Veterinary Research, 72(4), 474“483. https://avmajournals.avma.org/view/journals/ajvr/72/4/ajvr.72.4.474.xml
Aktive Stabilisierung der Hinterhand im Stand: Schuurman, S. O., Kersten, W., Weijs, W. A. (2003). The equine hind limb is actively stabilized during standing. Journal of Anatomy, 202, 355–362.
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