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Mutige, engagierte Linien

Published 1 month ago
Description
Der Bibeltext 1. Johannes 3,11-18 – ausgelegt von Holger Bauer.

Ein Bild mit klaren Linien

Es gibt künstlerisch begabte Menschen, die schaffen es, mit wenigen kräftigen Strichen ihres Stiftes oder Pinsels ein Bild voller Anmut und Dynamik zu schaffen. Eigentlich haben sie nur ein bisschen Pigment auf dem Papier verteilt. Streng genommen haben sie sogar die meisten Flächen weiß gelassen und dennoch weiß ich genau, was gemeint ist. Das Bild zeigt nur schwarz oder weiß, aber ich ergänze im Kopf die Grautöne, die Übergänge und so entsteht eine lebendige Szene.

  • Der 1. Johannesbrief ist so ein Werk, das mit groben, kräftigen, mutigen und engagierten Linien arbeitet. Mich erreichen hier klare, wuchtige Aussagen, die mich in Anspruch nehmen, die Grautöne zu ergänzen und das ganze Bild nicht aus dem Blick zu verlieren.
  • Um was es Johannes im Kern geht, liegt vor Augen: es geht um die Liebe, die Liebe in der christlichen Gemeinde, so lese ich es im ersten und letzten Vers des Bibelabschnittes.
  • Es geht im Evangelium, der guten Botschaft, letztlich immer um Liebe, die Liebe Gottes zu Ihnen und mir und dann auch um die Liebe unter uns Menschen, die Jesus nachfolgen.
  • Johannes formuliert sein Anliegen in seinem Brief ohne Rücksicht auf mögliche Missverständnisse:

Wer nicht liebt, der bleibt im Tod. „Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Totschläger, und ihr wisst, dass kein Totschläger das ewige Leben bleibend in sich hat.“
 

Die Liebe als Prüfstein des Lebens

  • Hier denke ich jetzt „erwachsen“, als mündiger Christ, um nicht jeder eigenen Befürchtung auf den Leim zu gehen. Johannes spricht in drastischen Worten und will deutlich machen: Wer Jesus vertraut, ist im Leben angekommen, lebt in der Liebe Gottes und gibt davon an seine Glaubensgeschwister weiter. Den Glaubensgeschwistern das Leben nicht zu gönnen, sie wegzuwünschen, sie also zu hassen, passt damit nicht überein.
  • Johannes rechnet damit, dass Menschen aus der Liebe fallen und sündigen. So lese ich im ersten Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 9: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
  • Dennoch soll nach Johannes nicht der Eindruck entstehen, die Lieblosigkeit, die Sünde, sei der bedauerliche Normalfall. Jesus justiert meinen inneren Kompass. Die Lieblosigkeit ist keine Kleinigkeit, sie ist eine Katastrophe, sie ist eine unmögliche Möglichkeit des christlichen Lebens.
  • Wer nicht liebt, bleibt in der Gewalt des Todes.
  • Johannes möchte nicht auf primitive Art Angst machen. „Oh je, ich kann jemanden in der Gemeinde nicht gut leiden, jetzt bin ich ein Mörder, und verliere das ewige Leben.“
  • Das ist nicht erwachsen und mündig mit dem Ganzen der Heiligen Schrift umgegangen.
  • Johannes will nicht verängstigen, sondern anreizen.
  • Jesus hat sein Leben für Sie und mich am Kreuz dahingegeben. Er hat aus Liebe zu uns von sich weg auf unser Wohl geschaut, und dann gehandelt.
     

Liebe wird konkret

  • Welche Konsequenz hat das für unser Leben? Dies macht Johannes an einem konkreten Beispiel deutlich:

„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt dann die Liebe Gottes in ihm?“ (Vers 17)

  • Er stellt eine Frage: Wie kann das sein? Wie kann es
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