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Second Brain

Second Brain

Published 2 weeks ago
Description
Personal Knowledge Management mit Auto-Kuration, RAG und portablen Skills

Ein Gast, den Mark sich lange gewünscht hat: Cornelius Illi, Product Cluster Lead für Innovation und GenAI, mit dem er sich nach eigener Aussage immer gerne unterhält und von dem er einiges lernt. Bevor es losgeht, darf Jens noch von seinem Wochenende erzählen, und das passt besser zum Thema, als ihm lieb ist. Er wollte mit seinem Sohn ein altes Computerspiel spielen, das es für den Mac nicht mehr gibt, also hat er Crossover gekauft und Claude Vollzugriff auf seinen Mac Mini gegeben. Das Ding hat die halbe Nacht durchprobiert, tausendmal gestartet, geschaut, ob es zwischen 3D-Animation und Intro-Video abstürzt, eigene Shader gebaut, Software installiert, wieder gelöscht und nebenbei die Festplatte aufgeräumt. Gespielt wurde am Ende auf dem Linux-Rechner des Sohnes. Immerhin hat Claude noch die Support-Mail für die Rückerstattung geschrieben, inklusive Liste aller Versuche, damit niemand mit „haben Sie es schon so probiert" antwortet.

Dann die Freitagabend-Frage, Bier in der Hand, jemand hat den Begriff Second Brain aufgeschnappt: Was ist das eigentlich? Cornelius holt aus. Das Konzept ist älter als die LLM-Debatte, geprägt hat es Tiago Forte mit der CODE-Methode: Capture, Organize, Distill, Express. Alles reinladen, ordnen, den Sinn herausdestillieren, am Ende etwas damit bauen. Neu ist, dass Andrej Karpathy Anfang des Jahres seinen LLM-Wiki-Ansatz vorgestellt hat und viele daraufhin gemerkt haben, dass so ein Speicher vielleicht gar nicht für den Menschen gedacht ist, sondern der perfekte Kontextspeicher für die KI. Cornelius hat genau deshalb das Capture automatisiert: 130 Quellen liefern ihm 400 bis 500 Inhalte pro Woche, die werden gerankt und bewertet, höchstens ein Drittel landet im wöchentlichen Digest, der Rest fliegt als irrelevant oder als bloßes Repackaging raus. Sogar seine LinkedIn-Likes zieht er sich zurück, über eine selbstgeschriebene App und die Betroffenenrechte, die ihm als EU-Bürger zustehen.

Und dann kommt der ehrlichste Moment der Folge. Cornelius liest seinen eigenen Digest nicht mehr. Zu viel, und es bleibt ja nicht beim Lesen, danach muss man mit der KI darüber diskutieren, um überhaupt Insights zu bekommen. Sein Befund: Kuration ist der eigentlich schwierige Teil, und der Mensch bleibt darin noch lange nötig. Die KI kann erklären, was Harness Engineering ist und wer den Begriff geprägt hat. Was sie nicht liefert, sind Best Current Practices, also die Frage, was in genau dieser Version von Modell und Harness gerade wirklich funktioniert. Wo eine Visualisierung dagegen hilft: beim Aufdecken der eigenen Verzerrung. Cornelius hielt das LLM-Wiki-Thema für riesig und musste feststellen, dass in hundert Tagen nur 23 von 5.000 Inhalten davon handelten. Ein Randthema, das sich in seinem Kopf groß angefühlt hat.

Beim Werkzeug gehen die drei auseinander. Mark hält dagegen, dass Wissen durch Reduktion entsteht, durch Struktur und dadurch, dass ein System auch vergessen kann, und nicht durch das Anhäufen möglichst vieler Dateien. Er selbst nutzt kein Obsidian, sondern packt alles in einen einzigen Skill: zehn Jahre Apple-Entwicklerdokumentation und WWDC-Transkripte, dazu seine eigenen Mobile-Artikel, als Zip ein paar MB, entpackt ein paar hundert. Antwortzeit rund zwei Minuten. Perfekt ist das nicht, ein RAG ist es auch nicht, aber es ist portabel und läuft in jedem Harness, ob Codex, Claude Code oder das eigene System der Firma. Das Ding heißt SkillSafe (godmodeai2025.github.io/SkillSafe), ein lokaler Wissenstresor als portabler Skill: Wissensbausteine im OKF-Format mit Quelle und Fundstelle an jeder Kernaussage, kontrollierte Begriffswelten mit Synonymen statt Vektor-Blackbox, und sechs eiserne Regeln, von denen die erste lautet: Deckt der Bestand eine Frage nicht ab, heißt die Antwort „Nicht im Bestand". Modellwissen füllt das nie auf. Genau deshalb hat Mark sich überlegt, mit welchen Begriffswelten er überhaupt an

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