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Mein Ritual

Published 1 month, 2 weeks ago
Description
Der Bibeltext Johannes 9,13-23 – ausgelegt von Volker Hoof.

Traditionen und Fixpunkte im Jahreskreis

In dem Dorf, in dem ich von Geburt an lebe, gibt es einige schöne Bräuche: Zu Pfingsten ziehen die Jungs von Haus zu Haus und ziehen einen Handkarren hinter sich her, der mit Ginster geschmückt ist. Zwischen all dem Ginster, versteckt in einem Sack, sitzt ein weiterer Junge.

Die Bewohner müssen dann raten, wer dieses Jahr der „Pingstelömmel“ ist. Dann sagen die Jungs einen Spruch auf und bekommen ein paar Münzen oder Eier. Die Mädels laufen am 1. Mai von Tür zu Tür und singen ein Lied für den gleichen Obulus. Als Junge war der Pfingstsonntag schon fest in mein Taschengeldbudget eingeplant. Das sind Traditionen, Jahrhunderte alt, die die Leute aus meinem Dorf immer noch erfreuen.

An Ostern oder Weihnachten haben viele Menschen und Familien ihre Rituale. Traditionen können gut und schön sein. Das sind Fixpunkte in unserem Leben, sie geben uns manchmal Halt und leiten uns durch das Jahr.
 

Der Sabbat – Ursprung, Bedeutung und Gesetzlichkeit

Die Juden haben auch solche „Fixpunkte“. Einer davon ist der wöchentliche Sabbat.

Er geht zurück auf 1. Mose 2, da steht: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“

Das Wort Sabbat bedeutet „von etwas ablassen“, „aufhören“ oder auch „ausruhen“.

Gott gibt diesen Tag später im Gesetz seinen Platz: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.“ (2. Mose 20,8) In den späteren Jahren definieren die jüdischen Gelehrten genau die Dinge, die an diesem Tag erlaubt sind und welche nicht. Von dem Verlangen, Gott nicht zu enttäuschen und ihm wohlgefällig zu sein, entwickelt sich dann aber eine strenge Gesetzlichkeit.

Und so eckt Jesus mit seinem Verhalten bei den Pharisäern mal wieder an. Seine Übertretung liegt im Kneten des Teiges. Jesus wird sich bewusst für den Sabbattag entschieden haben. „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält!“ so rufen die Pharisäer. „Dieser Mensch“ ist sehr abwertend gemeint, umgangssprachlich heißt das: Der Typ da … „Andere sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es entstand eine Spaltung unter ihnen.“ Jesus polarisiert. Anstatt Menschen zu einigen, teilt er sie in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die, die Jesus für einen Sünder halten und ihn ablehnen. Auf der anderen Seite sind diejenigen, die das Verständnis und die Anwendung des Sabbatgesetzes in Frage stellen. Für den zweiten Vorschlag gibt es weitaus mehr Belege als für den ersten, doch es scheint, dass weit mehr von ihnen den ersten Standpunkt einnehmen. Sie tun dies trotz der Beweise, nicht wegen der Beweise. Die Gruppe, die für Jesus spricht, muss klein sein. Wir hören nach diesem Vers nichts mehr von ihnen, und im Rest des Kapitels geht die Erzählung so weiter, als ob die andere Gruppe die Einzige ist, die in Betracht gezogen wird. Die Worte: „Wie kann ein Sünder solch wunderbare Zeichen tun?“ klingt ähnlich wie die einleitenden Worte des Nikodemus an Jesus: „Denn niemand kann diese Zeic

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