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Description
Von der Dunkelheit ins Licht
In meiner Kindheit in den 60er Jahren gab es im Familienumfeld einen blinden Jungen. Stefan war ein paar Jahre älter als ich und der erste blinde Mensch, den ich kannte. Ich war schon damals ein Augenmensch, ich liebe Farben und die Natur. Und die Mimik von Menschen ist mir sehr wichtig im Kontakt. Das alles nicht sehen zu können, konnte ich mir nicht vorstellen. Kindlich offen stellte ich Stefan Fragen wie: „Wie ist es, nie die Sonne zu sehen?“ Und ebenso offen gab er mir einen Einblick in diese mir fremde Welt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Im Dunkeln sitzen
Der blinde Mann hier im Text hat das Tageslicht auch noch nie gesehen. Blind geboren zu sein, galt damals als Strafe Gottes. Er wird ausgegrenzt, gehört zur Randgruppe. Von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist er weit entfernt. So sitzt er in Jerusalem am Straßenrand und bettelt um Almosen. Wenig geachtet, wenig beachtet. Das ist seine Lebensrealität, dunkel und trostlos. Tag ein, Tag aus.
Jesus sieht
Jesus kommt mit seinen Jüngern vorbei. Er übersieht den blinden Mann nicht, hat ihn im Blick. Bei den Jüngern kommt sofort die Frage nach dem „Warum“ auf. „Wer ist hier schuld: Er oder seine Eltern?“ Leid sucht nach Antworten. Krankheit als Folge von Schuld: Dieses Denken ist damals tief verwurzelt in der Tradition. Und auch heute noch höre ich solche Ansichten. Manchmal sind Zusammenhänge von Verhalten und Krankheit offensichtlich. Aber längst nicht immer ist eine persönliche Schuld auszumachen. Schließlich leben wir nicht im Paradies, sondern in einer gefallenen Schöpfung. Krankheit kann hier jeden Menschen treffen. Eine neue Welt ohne Leid ist in der Bibel verheißen (Offenbarung 21,4), aber sie ist noch nicht da.
Jesus stellt sofort klar: Es geht hier gar nicht um die Schuldfrage. Sondern um etwas ganz anderes: Der blinde Mensch soll zum lebendigen Beispiel werden für das Wirken Gottes. An ihm soll deutlich werden, wer Jesus ist: Das Licht der Welt, das die Dunkelheit der Menschen erhellt (Johannes 8,12).
Jesus handelt
Die Initiative geht eindeutig von Jesus aus. Der blinde Mann schreit nicht um Hilfe, wie Jesus es in anderen Begegnungen erlebt. Nein, der Blinde ist völlig passiv. Er kann sich nicht selbst aus der Dunkelheit befreien. Und nach so langen Jahren erwartet er wohl kein Wunder. Und da macht Jesus den ersten Schritt auf ihn zu.
Er mischt einen Brei an aus Speichel und Erde. Woran erinnert das? Adam – wörtlich übersetzt „vom Erdboden“ – wird einst aus Lehm erschaffen (1. Mose 2). Damals herrschen noch paradiesische Zustände: Die Sicht auf Gott ist frei, wird dort beschrieben. Aber nun – nach dem Sündenfall – ist jeder Mensch von Geburt an „geistlich blind‘ für Gott. Jesus stellt an anderer Stelle klar (Johannes 3,3): „Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Es braucht also eine Neu-Schöpfung. Dieses Wunder geschieht hier.
Dabei kommt Jesus dem blinden Menschen ganz nah: Er berührt ihn, streicht ihm den Brei auf die A