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Aneinander vorbeireden

Published 1 month, 2 weeks ago
Description
Der Bibeltext Johannes 8,46-59 – ausgelegt von Christoph Rymatzki.

Begegnungen im Alltag: Wenn Glaube auf Ablehnung trifft

An einem Sonntagmorgen bin ich mit einer Frau aus der Gemeinde in der Saaleaue, der grünen Lunge von Jena, unterwegs, um Menschen zum Open-Air-Gottesdienst und zum Glauben einzuladen. Ein älterer Mann winkt ab, als er die Worte Gott und Kirche hört. Es ist einfach kein Gespräch möglich. Er hat seine Erfahrungen und seine Sicht auf Glaube und Kirche, über die er aber nicht näher reden will. Wir gehen weiter. Ein anderer Mann führt seinen Hund aus und wir sprechen ihn an. Als die Rede auf den Glauben kommt, winkt auch er ab. Für ihn ist das alles ein Märchen. Glaube ist unwissenschaftlich und es sei bewiesen, dass es keinen Gott und Schöpfer gibt. Er sei Kommunist und glaube an den Sozialismus und an das Gute im Menschen. Und wir spürten, wir reden aneinander vorbei, weil jeder von uns scheinbar auf einem anderen Stern lebt.
 

Jesus und die Pharisäer: Der Streit um die Person Christi

Auch in unserem Bibeltext habe ich das Gefühl, hier leben zwei Gesprächsparteien in völlig unterschiedlichen Welten. Sie reden einfach aneinander vorbei und sie finden nicht zueinander: Jesus und die Pharisäer. Ich kenne von Jesus auch die Predigten, wo er ganz anders, volkstümlich, spricht und den Menschen in ihrer Lebenswelt in Gleichnissen ganz nahe kommt. Aber hier in unserem Text geht es Jesus um seine eigene Person und er möchte den Menschen das sagen, was er auch zu sagen hat: „Ich bin das Licht der Welt“, so heißt es am Anfang des Kapitels. Und dann geht es in allen weiteren Versen um seine Person. Der Zimmermann aus Nazareth erzählt davon, dass er der Messias ist. Dass er den Menschen ewiges Leben geben kann und dass er schon gelebt hat, als Abraham noch durchs Land zog. Jesus möchte von sich reden und lädt ein, ihm nachzufolgen, ihn zu erkennen als der, der er in Wirklichkeit ist: der Sohn Gottes, der eine Einheit mit dem Vater bildet. Wer von Gott ist, der wird mich verstehen, aber wer ein Kind der Finsternis ist, dem bleibt der Zugang zu meiner Person verschlossen.

In unserem Text fallen derbe Ausdrücke über die Partei des anderen: einer unterstellt dem anderen, von bösen Geistern, ja vom Teufel besessen zu sein. Das sind harte Worte. Ich will sie mal versuchen zu übersetzen: beide Parteien haben einen unterschiedlichen Blickwinkel, schauen von einem anderen Stern her auf die Person Jesu. Jesus lädt ein, ihn vom Himmel her zu betrachten als Sohn Gottes. Die Pharisäer betrachten ihn aus rein irdischer, weltlicher Perspektive: als Zimmermann aus Nazareth, der sich anmaßt Gott zu sein. Und dieses Dilemma begleitet uns bis heute. Man kann Jesus rein irdisch einordnen als jüdisch-messianischen Weltveränderer, als humanistisches Vorbild, als Wohltäter von Menschen, die unter Krankheit, Schuld, Ausgrenzung und anderem leiden.

Ich kann ihn aber auch göttlich einordnen als Licht der Welt und als Gesandten von Gott, der in unsere Welt hineingekommen ist, um die Welt in ihrem Kern zu verändern durch eine Erlösung. An der Person Jesu scheiden sich die Geister. Für unser Verständnis als Christentum ist nicht nur entscheidend, dass wir an einen einzigen Gott glauben, sondern dass wir an Christus und die Notwendigkeit einer Erlösung d

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