Episode Details
Back to Episodes
EXOKORTEX
Description
Diese Folge sollte gar nicht existieren. Geplant war die Second-Brain-Folge mit Cornelius Illi, aufgenommen und in der Konserve. Dann fährt Mark ohne Notebook nach Dänemark, will im Center Park ein Bier trinken und nichts mit KI zu tun haben, stolpert über ein Feature und schreibt Jens. Ergebnis: eine Zwischenfolge, aufgenommen aus dem Tesla, weil das Studio im Urlaub eben so aussieht.
Der Auslöser ist ein Sprachrekorder. Mark hatte vor Monaten schon einen Plaud Pin, angesteckt am Revers, und wieder verkauft. Sein Problem damit war nicht die Technik, sondern er selbst: Man spricht sich was auf, hört es morgen an, spricht sich noch was auf, und irgendwann liegen vierzig Nachrichten da, die man nie wieder anfasst. Er nennt es das Pfandflaschen-Problem. Zwei Flaschen unterm Schreibtisch bringt man weg, zwanzig nicht mehr. Neu ist die Plaud Note, ein Gerät im Checkkartenformat mit Mikrofon-Array und eigenem Speicher, das per MagSafe hinten ans Handy klemmt. Aufnahme läuft lokal, rund dreißig Stunden passen drauf, ein prominentes Aufnahmelicht hat es nicht. Wer damit Gespräche mitschneiden will, braucht Einverständnis, und ein Nein ist zu akzeptieren.
Der eigentliche Unterschied kam am 23. Juli: Plaud hat einen MCP-Server veröffentlicht. Damit liegen die Sprachnotizen nicht mehr nur in der Hersteller-App, sondern lassen sich aus Claude, ChatGPT, Gemini oder einem selbstgebauten Harness heraus abfragen. Marks Beispiel aus dem Urlaub: 28 Notizen in 48 Stunden aufgesprochen, teils Mails, teils Erinnerungen, teils Projektgedanken. Eine einzige Frage an Claude, was er sich da eigentlich alles aufgetragen hat, und er bekommt die Liste sortiert zurück, samt Angebot, die Dinge gleich zu erledigen. Eine der Mails war danach fertig formuliert. Wer jetzt fragt, warum es nicht die Sprachmemo-App von Apple tut: Aufnehmen und lokal transkribieren kann sie, aber es gibt keinen Massenexport und keinen MCP-Zugriff. Wer mehr will, muss über Plauds API gehen, sich die Audiodateien selbst vom Gerät holen, lokal mit Whisper transkribieren und einen eigenen MCP-Server davorstellen. Dann bleiben die Daten im eigenen Haus.
Interessant wird es, wo die beiden auseinandergehen. Jens nutzt Voice als schnellen Dialogkanal, er redet mit der KI, weil er schneller spricht als tippt, und will sofort Antwort. Mark speichert bewusst aus, ohne Feedback, weil er im Urlaub keine acht parallelen Chats auf dem Handy verwalten will. Für genau dieses Auslagern fällt der Begriff, der der Folge den Namen gibt: Exocortex. Klingt nach einem Film mit Arnold Schwarzenegger, trifft die Sache aber. Der Unterschied zum Second Brain ist, dass dort nicht nur gespeichert und auffindbar gemacht wird, sondern so weit aufbereitet, dass eine KI damit arbeiten kann.
Beim Datenschutz bleiben sie ehrlich unentschieden, ausdrücklich ohne Rechtsberatung. Jens erinnert an das 3D-gedruckte Mikrofon, das er sich 2023 aus den USA hat schicken lassen und das man als Kette um den Hals trug: Solche Geräte vergisst man auszuschalten, und dann läuft man mit dem Hund spazieren und hat versehentlich das halbe Eiscafé aufgenommen. Marks Beobachtung dazu ist, dass ein sichtbar getragenes Mikrofon härter bewertet wird als das Handy in der Hosentasche, das genau dasselbe kann. Seine Hoffnung liegt auf technischen Lösungen statt auf Verzicht: ein Signal, das dem Gerät des anderen sagt, dass man nicht aufgenommen werden will. Sicher ist nur, dass mit kleiner werdenden lokalen Modellen mehr davon um uns herum laufen wird, nicht weniger.
Ab der Mitte geht es um das Second Brain selbst, als Vorgeschmack auf die Folge mit Cornelius. Kein Voodoo, sagt Jens: ein Ordner, drei Markdown-Dateien, untereinander verlinkt, das reicht für den Anfang. Wer euch ein Second Brain für viel Geld verkaufen will, bei dem lauft ihr weg. Der Nutzen liegt im Kontext. Wechselt ihr von ChatGPT zu Gemini oder Claude, weiß das neue Modell nicht, wer ihr