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Gott, wo bist du?

Published 1 month, 3 weeks ago
Description
Der Bibeltext Johannes 8,12-20 – ausgelegt von Benjamin Gies.

„Ich bin das Licht der Welt“

„Ich bin das Licht der Welt“, sagt Jesus von sich. Er sagt es im Kontext des Laubhüttenfestes. Dieses Fest der Juden ist u. a. davon gekennzeichnet, dass riesige Lampen im Tempel, im Bereich des Vorhofs der Heiden, angezündet werden. Da passt dieser Satz Jesu perfekt. Diese Lampen auf dem großen Platz spenden Licht und sollen erinnern, dass Gott sein Volk zur Zeit der Wüstenwanderung führte, tagsüber durch eine Wolkensäule und nachts durch eine Feuersäule. Gott hat wunderbar an Israel gehandelt. Sein Licht ist Wegweisung und zugleich die Gewissheit: Gott ist da, wird helfen, ihm entgeht nichts. Und genau das will Jesus mit diesem Satz ausdrücken: Ich bin das Licht: Ich gebe Orientierung, ich gebe Hoffnung, ich gebe Wärme. Er weiß um die dunklen Stunden, die Menschen haben können. Er weiß um Probleme, Nöte und Sünden. Er weiß um Verachtung, die manche Menschen erleben und um das zerbrochene Herz, das manch einer mit sich herumträgt. Zu ihnen allen kommt Jesus. Zu den Blinden und Lahmen. Zu den Aussätzigen und Betrügern. Zu den Ausgestoßenen und Gebundenen. Für sie möchte Jesus Licht sein.
 

Das Urteil der Pharisäer – und das unsrige

Aber eine solche Rede gefällt nicht jedem. Die Pharisäer hören seine Sätze nicht gerne. „Dein Zeugnis ist nicht wahr!“, urteilen sie. Sie schauen sich Jesus von Ferne an. Sehen sein Äußeres und dass er mit einer Gruppe von Menschen zusammen ist, denen er predigt. Jesus reagiert darauf. Sehr selbstbewusst und klar versucht er deutlich zu machen, dass er von Gott kommt und Gott sein Vater ist. Die Pharisäer aber richten nach dem, was ihre Augen sehen. Das ist typisch Mensch. Ich sehe jemanden und urteile.

Vor einiger Zeit sitzt jemand in einem unserer Gottesdienste. Dieser Jemand legt ein auffälliges Verhalten an den Tag. Ich bin zwar Pastor, aber weit weg davon, nicht auch Urteile über andere auszusprechen. Gedanken schießen mir durch den Kopf: „Wer ist das denn? Die Person ist bestimmt nicht ganz sauber. Was will diese Person hier, die versteht doch eh nix!“

Jesus sagt den Pharisäern: „Ich richte niemanden.“ Sicher ist das ein Bezug auf den Text zuvor. Eine Ehebrecherin soll gesteinigt werden. Nachdem Jesus die Sache in die Hand genommen hat, beruhigt sich die Lage. Zum Schluss fragt er die Frau: „Hat dich niemand verurteilt?“ Als sie verneint, sagt Jesus: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!“ (Johannes 8,11)

Wie entlastend, wie gut, wie liebevoll, wie gnädig ist Jesus. Er sieht nicht nur unser Tun, er schaut tiefer. Er sieht nicht nur unser Versagen und urteilt, er sieht unser Herz, versteht, vergibt, verwandelt.
 

Jesus kennenlernen – mehr als ein flüchtiger Blick

So, wie Jesus uns kennt und eine Beziehung zu uns aufbaut, so wünscht er sich das auch umgekehrt. Die Pharisäer haben daran kein Interesse. Jesus muss kennengelernt werden. Er will verstanden werden. Wenn ich jemanden kennenlernen möchte, dann reicht nicht bloß der flücht

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