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Demut, Einsicht, Zuspruch

Published 8 hours ago
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Der Bibeltext Johannes 7,53-8,11 – ausgelegt von Wolfgang Hoppstädter.

1. Was für eine Demütigung!

Könnte ich doch nur im Erdboden versinken. Dieser Spießrutenlauf ist eine Qual. Nun haben sie also ihren Triumph und können über mich herfallen. Aber dass sie jetzt noch diesen Jesus zu Rate ziehen, begreife ich nicht. Er passt ihnen doch nicht. Aber ihm können sie nichts anhaben. Was er wohl über mich denkt?

Er ist der Freund der Sünder, so sagen sie es über ihn. Aber so eine wie ich, die ist wohl doch zu weit gegangen. Hoffentlich ist dieser Volksauflauf bald zu Ende. Ich halte das nicht mehr aus, wie sie mich anstarren. Wenn Blicke töten könnten, dann wären die Steine nicht mehr nötig.

Eine Frau wird beim Ehebruch ertappt. Es ist kaum vorzustellen, wie das vonstattengeht. Wird sie bespitzelt und ihr aufgelauert? Ist sie aufgrund ihres unmoralischen Lebensstils bekannt?

Ich weiß es nicht. Jedenfalls wird sie an den Pranger gestellt. Und was hinter verschlossenen Türen passiert ist, wird jetzt an die Öffentlichkeit gezerrt. Diese Peinlichkeit ist nicht zu überbieten. Sie allein ist schon eine empfindliche Strafe.

Heute ist das anders: Nicht, dass die Vergehen anderer im Verborgenen bleiben. Nein, das Publikum ist unvergleichlich größer. Und mit der Story von der Ehebrecherin könnte ich heute gut Geld verdienen.

Medien leben zum großen Teil von solchen und ähnlichen Enthüllungen. Jedoch regt sich kaum noch jemand darüber auf; stattdessen wird unsere Neugier befriedigt und die Auflage oder die Einschaltquote gesteigert. Dabei halten viele Ehebruch für nicht mehr als ein Kavaliersdelikt.

Was Gott dazu sagt, wird beiseitegeschoben. Denn in unserer Gesellschaft sind viele Maßstäbe Gottes abhandengekommen. Immerhin, das muss ich den Pharisäern zugutehalten: Sie wollen sich an den Geboten Gottes orientieren, auch wenn sie dabei von Heuchelei nicht frei sind und es zu manchem Missbrauch kommt. So ist es auch in diesem Fall.

Dennoch, die Rechtslage ist klar: Auf Ehebruch steht wie auf Mord in Israel zurzeit von Jesus die Todesstrafe. Und die wird durch Steinigung vollzogen. Zum Glück sind wir darüber heute hinweg, auch durch die Wirkungsgeschichte des Evangeliums.

Darum empfinde ich eher: Die Frau ist doch schon genug gestraft durch die Blöße, die sie in der Öffentlichkeit erfährt. Und bin ich nicht auch ein Sünder?
 

2. Was für eine Einsicht!

Das ist doch zum geflügelten Wort geworden: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“

Dieses Jesus-Wort wird heute oft zu Recht zitiert, aber auch nicht selten einseitig gedeutet. Dann dient es zur Rechtfertigung für alles Mögliche. Aber dadurch wird es missbraucht. Denn hier redet Jesus nicht die Sünde schön.

Vielmehr gleicht dieses Wort einem zweischneidigen Schwert. Der Ehebruch wird verurteilt. Aber auch die Selbstgerechtigkeit der frommen Richter wird aufgedeckt. Damit schlägt Jesus zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits bestätigt er das Gesetz Israels. Ja, wer sündigt, der hat eigentlich den Tod verdient. Ihr habt Recht. Die göttliche Norm wird nicht aufgelöst.

Das Gebot bleibt gültig. Jesus rüttelt nicht daran. Liberalität kann ihm keiner vorwerfen. Gottes Maßstab wird nicht verkürzt. Jesus baut nicht ab, wenn es um Gottes Ansprüche geht, sondern er spitzt zu.

Es gibt kein

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