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Wer ist Jesus?

Published 4 hours ago
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Der Bibeltext Johannes 7,40-52 – ausgelegt von Lorenz Diehl.

Geteilte Meinung – ein deutsches Phänomen

„Wir sind zu Hause immer geteilter Meinung. Papa sagt seine Meinung – und wir dürfen sie dann teilen.“

Diesen Witz mochte ich schon als Teenager. Nicht nur, weil mein Vater sich die Zustände vielleicht so gewünscht hätte. (Seine Lieblingsregel war: „Papa hat immer recht.“) Sondern auch, weil der Witz schön zeigt, dass im Deutschen „eine Meinung teilen“ und „geteilter Meinung sein“ völlig gegenteilige Bedeutungen haben.

Der heutige Bibeltext steht im Bericht des Johannes über das Leben von Jesus, dem Johannesevangelium. Er spielt gegen Ende des jüdischen Laubhüttenfests in Jerusalem. Jesus ist erst einige Tage nach Beginn des Festes gekommen und hat die Menschen über ihre heiligen religiösen Bücher, auch kurz „die Schrift“ genannt, gelehrt und einige Zuhörer damit offenbar beeindruckt. Jetzt sprechen die Menschen untereinander über Jesus.
 

„Wer ist Jesus?“ – Eine Diskussion ohne Bildungsschwelle

„Wer ist Jesus?“ Jeder kann mitdiskutieren:

  • Manche sagen: Ein Prophet! (Wie Mose, der dem Volk das Gesetz Gottes gegeben hat und dem es gehorchen soll)
  • Manche sagen: Der Erlöser! (Der das Volk befreien wird von fremder Herrschaft)
  • Manche sagen: Ein großer Redner!
  • Andere sagen: Ein Mann von zweifelhafter Abstammung! (Galiläa statt Bethlehem, das scheint keinen guten Eindruck zu machen.)
  • Oder sogar: Ein Verführer!

Es gibt keine Bildungsschwelle, das „Volk“ diskutiert ebenso wie die Hohepriester und Phariäser, die Gelehrten.

„Wer ist Jesus?“ wird auch heute diskutiert. In unserem Land und unserer Zeit mit anderen Vokabeln. Manche sprechen vom „christlichen Abendland“, das die Kultur prägt. Andere bezeichnen sich als „wiedergeborene Christen“ und legen den Fokus auf eine persönliche Gottesbeziehung. Manche sind beeindruckt von Jesu Lehre und wollen sie möglichst wörtlich und direkt anwenden, andere sind auch beeindruckt und verwenden viel Zeit, die Worte zu deuten und in die heutige Zeit zu übertragen. Manche halten sie für veraltet und glauben, bessere Theorien zu kennen. Religion ist für manche nach Karl Marx „Opium fürs Volk“, um die harte Realität erträglicher zu machen.

Klar ist: Die Diskussion ist nicht vorbei. „Wer ist Jesus?“ – die Frage ist auch heute wichtig für einzelne Menschen und für die Gesellschaft als Ganzes. Und jeder kann mitdiskutieren.

Was ist Ihre Position?
 

Argumente auf dem Prüfstand

In der Diskussion im Bibeltext werden einige Argumente ins Feld geführt. Wenn ich sie mir ansehe, habe ich fast überall leichtes Unbehagen:

  1. Etliche aus dem Volk haben ihre Meinung wegen der Worte Jesu, die sie gehört haben. Die Knechte, die Jesus zu den Phariäsern bringen sollen, sagen sogar: „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen.“ Worte, keine Taten. Johannes berichtet auch nicht von Wundern, die Jesus auf dem Laub hüttenfest tut. Aber sind Worte das, wonach ich meine Meinung bilden will? Oder nach „Aura“, also der Ausstrahlung eines Redners? Haben wir nicht schon genug, die einfache Lösungen versprechen und denen viele nachlaufen, ohne dass irgendetwas besser wird?
  2. Die Gelehrten berufen sich auf ein Autoritätsargument: „Glaubt denn einer von den Oberen oder von den Phariäsern an ihn?“ Ich suche, bewusst od
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