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Back to EpisodesKein Weg zurück – aber nach vorn
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Vor Kurzem hörte ich in einem Instagram-Video den Satz einer Aktivistin: „We will never get our pre-Covid society back.“ („Wir werden die Gesellschaft, die wir vor Corona hatten, nie wieder zurückbekommen.“) Der Satz hängt mir seitdem nach, denn er machte mir klar, dass ich tatsächlich – mit einem Teil meines Herzens – unausgesprochen immer noch hoffe, dass es ein „Zurück“ gibt; dass wir ungeschehen machen können, aus der Welt schaffen können, was an Verletzungen (von Menschen) und Verwerfungen (der demokratischen Kultur) in diesen Jahren und den Jahren seitdem passiert ist. Aber es gibt keinen Weg zurück. Oder, wie der schöne Titel eines Thomas-Wolfe-Romans aus dem Jahr 1940 besagte: „You Can’t Go Home Again“. Wie können wir mit dieser Situation standhaft umgehen? Eine Betrachtung von Maike Gosch.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Vorab zur Klarstellung: Das ist eine andere Frage als die nach einer möglichen Aufarbeitung der Corona-Zeit auf politischer und juristischer Ebene oder auch von Entschuldigungen und gesellschaftlicher Versöhnung. Auf beides warten wir immer noch, wenn wir auch vielleicht nicht mehr darauf hoffen.
Es geht überhaupt erstmal um die Akzeptanz dessen, was verlorengegangen ist. Und da ertappe ich mich dabei, dass ich der Zeit vor Corona nachhänge und vor allem nicht akzeptieren will, dass diese Welt eine vergangene ist; dass wir nicht zu ihr zurück können, sondern uns inzwischen in einer ganz anderen Realität befinden. Ich glaube, psychologisch nennt man so etwas eine Anpassungsstörung.
Und eine solche habe ich nicht nur in Bezug auf die negativen Entwicklungen in und seit der Corona-Zeit, was gesellschaftliches Klima, Spaltung, Meinungsfreiheit, Grundrechte und andere Aspekte angeht, sondern auch in Bezug auf viele andere Themen. Ich ertappe mich dabei, nicht akzeptieren zu wollen, was aus der Europäischen Union geworden ist, was für Entscheidungen das Bundesverfassungsgericht und der Bundesgerichtshof teilweise treffen, was unsere führenden Politiker sagen und entscheiden, was aus früher geliebten Medien wie der Süddeutschen oder DIE ZEIT geworden ist, was aus meinem Bild von Israel geworden ist, von Deutschland, von meiner Idee (vielleicht immer irrig), dass wir als Nation aus unserer jüngsten Vergangenheit gelernt haben.
Es fällt schwer, diese Bilder, diese Erinnerungen loszulassen. Vielleicht liegt es am Alter; vielleicht an einer Trägheit der Seele, die nicht für die massiv beschleunigten Veränderungen und Entwicklungen unserer modernen Welt gemacht ist. Intellektuell ist das alles gerade noch zu leisten (wenn auch mit Abstrichen). Emotional wirkt es manchmal schwer schaffbar.
Es ist auch etwas Gutes daran, diese Erinnerungen an Zeiten, Prinzipien, Regeln hochzuhalten, damit sie als Folie dienen können und im Vergleich offenlegen, wie sehr sich die Dinge zum Schlechteren verändert haben. Viele Jüngere haben solche Vergleiche ja gar nicht zur Hand, und umso leichter lassen sie sich in die Irre führen. Aber dieser Fokus auf das Vergangene und Verlorene, darauf, wie es „eigentlich sein sollte“ und „früher einmal war“, hat doch etwas von einem Kampf gegen Windmühlen. Es ist Nostalgie, ein Nicht-akzeptieren-Wollen, und diese lähmt und ermüdet oft.
Wir schreiben hier auf den NachDenkSeiten viel über Themen, Fakten, Argumente. Aber heute möchte ich einmal darüber schreiben, wie wir mit den vielen Veränderungen und den massiven Verschlechterungen in den letzten Jahren in unserer politischen Kultur emotional umgehen.
Uns erreichen zahlreiche Briefe von Lesern und Leserinnen, die sinngemäß schreiben: „Ich schätze Ihren Journalismus, Ihre Arbeit sehr, aber ich kann das manchmal alles nicht mehr lesen.“ Auch uns als Redakteuren und Autoren geht es teilweise so. Es ist bedrückend, die Entwicklungen zu dokumentieren, die immer nur in eine Richtung zu gehe