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Eine Millarde Euro pro Tag - warum unser Gesundheitssystem trotzdem auf eine 40-Milliarden-Lücke zusteuert

Eine Millarde Euro pro Tag - warum unser Gesundheitssystem trotzdem auf eine 40-Milliarden-Lücke zusteuert

Episode 97 Published 2 months, 4 weeks ago
Description
Mit Prof. Dr. Ferdinand Gerlach

Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den teuersten der Welt. Allein die gesetzliche Krankenversicherung gibt inzwischen mehr als eine Milliarde Euro pro Tag aus. Dennoch sind die Behandlungsergebnisse im internationalen Vergleich häufig nur durchschnittlich – in einigen Bereichen sogar unterdurchschnittlich.

Warum gelingt es Deutschland trotz hoher Ausgaben, vieler Ärztinnen und Ärzte und vergleichsweise kurzer Wartezeiten nicht, seine Ressourcen effizienter einzusetzen?

Darüber spricht Béla Anda in dieser Folge mit Prof. Dr. Ferdinand Gerlach. Der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt war langjähriger Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Heute arbeitet er unter anderem in der Finanzkommission Gesundheit an Vorschlägen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Prof. Gerlach beschreibt ein System, in dem Praxen, Krankenhäuser und weitere Leistungserbringer überwiegend dann Geld verdienen, wenn Untersuchungen, Behandlungen oder Eingriffe durchgeführt werden. Diese Fehlanreize führten zu einem Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung. Gleichzeitig erschwerten getrennte Zuständigkeiten und Finanzierungsstrukturen die Zusammenarbeit zwischen ambulanter Versorgung, Krankenhäusern und Rettungsdienst.

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die Reform der Notfallversorgung. Bereits 2018 empfahl der Sachverständigenrat eine digital unterstützte Ersteinschätzung, eine bessere Verzahnung der Rufnummern 112 und 116117, integrierte Notfallzentren und eine bedarfsgerechte Steuerung der Patientinnen und Patienten. Nachdem mehrere Reformversuche gescheitert sind, hofft Prof. Gerlach nun auf eine konsequente Umsetzung. Auch die Krankenhauslandschaft müsse neu organisiert werden. Prof. Gerlach plädiert für hoch spezialisierte Maximalversorger, die schwere und komplexe Erkrankungen behandeln, sowie für wohnortnahe Primärversorgungszentren, in denen Hausärzte, Fachärzte, Pflegekräfte und Therapeuten sektorenübergreifend zusammenarbeiten. Digitale Vernetzung, gemeinsame Patientenakten und telemedizinische Angebote könnten dabei spezialisierte und wohnortnahe Versorgung miteinander verbinden.

Darüber hinaus geht es um die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz in der Medizin. Vor allem bei der Analyse von Bilddaten kann KI bereits heute Ärztinnen und Ärzte wirkungsvoll unterstützen. Bei komplexen Erkrankungen, mehreren Diagnosen oder individuellen Therapieentscheidungen bleibt jedoch die ärztliche Einordnung unverzichtbar. Prof. Gerlach warnt zudem vor Fehlalarmen, Überdiagnostik und möglichen wirtschaftlichen Interessen hinter digitalen Anwendungen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung. Steigen die Ausgaben weiterhin deutlich schneller als die Einnahmen, drohen in den kommenden Jahren erhebliche Finanzierungslücken und steigende Zusatzbeiträge. Als notwendige Reformfelder nennt Prof. Gerlach unter anderem mehr ambulante Behandlungen, digitale Transformation, Prävention und eine bessere Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.

Themen dieser Folge: – Warum Deutschland viel Geld ausgibt, aber nur durchschnittliche Ergebnisse erzielt– Fehlanreize und ineffiziente Strukturen im Gesundheitssystem– Die mangelnde Verzahnung von Praxen, Kliniken und Rettungsdienst– Die geplante Reform der Notfallversorgung– Zusammenarbeit von 112 und 116117– Integrierte Notfallzentren und digitale Ersteinschätzung– Ambulantisierung und vermeidbare Krankenhausaufenthalte– Maximalversorger und wohnortnahe Primärversorgungszentren– Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz in der Medizin– Der digitale Rückstand Deutschlands– Die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung– Prävention und Gesundheitskompetenz– Politische Widerstände gegen notwendige Reformen– Warum Kr

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