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Back to EpisodesDen möchte ich nicht zum Feind haben
Description
Zwei Gesichter – ein beklemmendes Gefühl
Ein Freund hat mir von seinem Vorgesetzten erzählt. Fähig, durchsetzungsstark, freundlich im direkten Gespräch. Er kommt gut mit ihm zurecht. Aber dann sagt er einen Satz, der bei mir sofort einen Knoten im Magen entstehen lässt: „Aber du möchtest ihn nicht zum Feind haben!" Puh, der Mann scheint zwei Gesichter zu haben, und wehe dem, der sich's mit ihm verdirbt!
Gott als Feind – die Botschaft des Amos
An diese Begegnung musste ich denken, als ich die heutige Bibellese aus dem Buch des Propheten Amos gelesen habe. Da ist gleich dieser Knoten in meinem Magen: Diesen Gott möchte ich nicht zum Feind haben! So mächtig, dass die Erde bebt, wenn er sie nur anrührt. Kein fester Boden mehr, auf den man sich verlassen könnte! Er ist hartnäckig in der Verfolgung des Sünders; wenn der sich vor seinen Augen auch verbergen wollte im Grunde des Meeres, so wird er doch „der Schlange befehlen, sie dort zu beißen."
Diesen Gott will ich nicht zum Feind haben – aber er ist es damals dem Volk Israel geworden. Davon haben wir in den letzten Tagen viel gehört. Der Maulbeerfeigenbaum-Züchter Amos aus dem Süden Israels verließ seine Heimat, um dem Brudervolk im Norden schreckliche Botschaften von Gott zu bringen. „Wir steigen zum Himmel hinauf" – ja, so mögen sich die reichen, verwöhnten, satten „oberen 10.000" gefühlt haben. „Bei uns geht's immer nur aufwärts" – und menschlich gesehen war es so: Wirtschaft und Handel florierten, ja, schon, auf Kosten der Armen und Schwachen, aber die herrschende Schicht war sicher etabliert. Da lässt Gott seine Sicht ausrichten: „wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen."
Dieser ganze Abschnitt spricht furchtbar endgültig davon, dass Gott den Menschen ein Feind geworden ist: „ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten." (Vers 4)
Gottes Blick – Drohung und Geborgenheit
Wie schrecklich. Vor allem ist das schrecklich, weil es fast die gleichen Sätze sind, die an anderer Stelle so tröstlich sind: „Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande, dass sie bei mir wohnen", heißt es im Psalm 101. Oder im 1. Petrusbrief (3,12) heißt es: „Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet." Und viele von Ihnen kennen sicher noch das Lied meiner Jugend „Nähme ich Flügel der Morgenröte und flöge ans äußerste Meer, würde auch dort deine Hand mit mir sein und deine Rechte mich halten, Herr". Das ist für mich der Inbegriff der Geborgenheit gewesen, diese Überzeugung: Ich kann gar nicht so weit weg sein von Gott, dass er mich nicht halten und führen könnte. Vor ein paar Jahren hatten wir es als überaus tröstliche Jahreslosung: Du bist ein Gott, der mich sieht – Gott sei Lob und Dank!
Bei Amos verkehrt es sich in eine Drohung, denn Israel hat sich Gott zum Feind gemacht. Mit erbarmungsloser Selbstsucht den Armen gegenüber und mit überheblicher Gleichgültigkeit ihm gegenüber.
In der Bibellese heute nun soll Amos in einer Zeichenhandlung so an die Säulen des
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