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Back to EpisodesHERR, lass ihn noch dies Jahr ...
Description
Ein Landwirt als Bote Gottes
Amos ist ein exemplarischer Fall eines Propheten. Er beharrt darauf, dass Gott ihn berufen hat – von seinem angestammten Arbeitsplatz weg. Amos ist schlicht Landwirt. Aber der lebendige Gott selbst hat geredet, wie kann er dann schweigen?! Auf diese rhetorische Frage kann es nur eine Antwort geben: Gar nicht! Er muss reden, auch wenn er nicht will: „Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten? Der HERR redet, wer sollte nicht Prophet werden?“
Gott legt Seine Hand auf Amos. Mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele bindet Gott ihn an sich. Amos ist wahrlich nicht zu beneiden. Er handelt sich mit seiner Botschaft jede Menge Scherereien ein. Er redet niemanden nach dem Munde. Er bringt keine „Schön-Wetter-Botschaften“, die nur den Ohren schmeicheln. Er sagt nur das, was er sagen muss – ohne etwas wegzulassen oder hinzuzufügen. Die Worte des Amos sind alles andere als lieblich oder harmlos! Sie tun weh. Sie schrecken auf. Sie decken Schuld und Unrecht auf, ohne Einschränkungen und vor allem ohne Ansehen der Person oder Rücksicht auf Stellung, Rang oder Titel. Ihr Anspruch gilt universal: In den ersten beiden Kapiteln bei Amos geht es um die Verfehlungen der Völker rings um Israel.
Stellen Sie sich mal die Botschaft von Amos vor der UNO vor … Es geht dann auch um Israel selbst, das „Volk des Eigentums“ (ab Kapitrel 3). Da verbietet sich jede Schadenfreude. Keiner kann mehr sagen: „Gottseidank – ich bin nicht so …!“ Und das Atemberaubende dabei: Israels Geschick in Gericht und Gnade steht stellvertretend für alle Welt (Kapitel 3, 2). An Israel soll jeder sehen, dass der lebendige Gott HERR über alles ist, dass Er das Weltgeschehen lenkt und leitet. Nicht blinder Zufall bestimmt unser Schicksal, sondern der Plan Gottes, wenn auch verborgen und für uns Menschen nicht logisch einsehbar oder verrechenbar.
Hohle Gottesdienste und der Zorn Gottes
Amos muss dem Volk Israel kompromisslos das Gericht Gottes für alle Verfehlungen ankündigen. Davon ist in den Kapiteln vorher so direkt die Rede, dass es wehtut. Der Hauptvorwurf Gottes lautet: „Eure Gottesdienste sind hohl, alles nur leeres Gerede. Eure frommen Bräuche sind erstunken und erlogen. Das passt hinten und vorne nicht. Glauben, Reden und Handeln stimmen nicht überein. Da klafft ein tiefer Abgrund.“ Das ist der entscheidende Grund für die Anklage Gottes: Gerechtigkeit meint in der Bibel Gottes Treue zu seinen Verheißungen, die unverbrüchlich und unwiderruflich gelten – ein für alle Mal. Dem entspricht aufseiten der Menschen ein Verhalten, wie es mit der Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk übereinstimmt. Der Glaube an Ihn äußert sich im Gehorsam gegenüber Seinem Gebot, im Dreiklang: Hören – Gehören – Gehorchen. Aber dieser schlimme Bruch hier erregt den Zorn Gottes.
Ist doch klar, dass Amos heftig widersprochen wird. Die brutale Konsequenz für ihn: Der König fackelt nicht lange: „Ausweisung! Raus hier – hau ab!“
Ich halte inne und erschrecke. Das kommt mir bekannt vor. Wenn ich das mit meinem Alltag vergleiche und Gottes Maßstab da anlege, läuft es mir eiskalt den Rücken ’runter. Das treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Gottes Wort ist eben erschreckend aktuell, auch noch nach 2.700 Jahren… Und was, wenn der lebendige Gott das zu mir auch sagt: „Raus hier! Hau ab …!“