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Gottes Tag

Published 1 month ago
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Der Bibeltext Amos 5,18-27 – ausgelegt von Albrecht Gralle.

1. Ein feierlicher Gottesdienst wird gestört

Ein feierlicher Gottesdienst mit Gänsehauterlebnissen, dezente Harfenklänge, poetisch ausgereifte Psalmen und Lieder. Die Leute in ihren Festkleidern. Eine wunderbare Anbetungsstimmung, und das Thema des Gottesdienstes heißt: Wir hoffen auf den Tag des Herrn.

An diesem Tag wird Gott die Assyrer zerschlagen und Israel in seinem ursprünglichen Glanz wiederherstellen.

Aber was ist das? Da vorne macht sich Unruhe breit, Gemurmel. Ein Mann in einem schlicht gewebten Umhang klettert auf das Podest. Das ist doch Amos, der Mann, der sich Prophet nennt und eigentlich ein Schafhirte und Maulbeerfeigenzüchter ist. Keine theologische Ausbildung hat seinen Geist berührt, keine wohl gesetzten Worte kommen aus seinem Mund. Er brüllt seine Botschaft und stimmt einen Trauergesang an. Der Mann ist nicht mal ein ausgebildeter Sänger!

Die feierliche Stimmung ist zerplatzt wie eine zu volle Rinderblase. Und wer ist eigentlich dieser Amos? Doch nur ein ungehobelter Viehzüchter und Landwirt, der behauptet, Gott habe zu ihm gesprochen. Ein Bauer aus dem Südreich, ein Ausländer! Das ist ja wohl die Höhe!

„Hofft nicht auf den Tag des Herrn“, schreit Amos. „Denn dieser Tag wird euer Untergang sein! Wenn ihr nicht endlich sozial handelt und die Armen unterstützt, statt sie auszubeuten, hat Gott keinen Gefallen an euren feierlichen Gottesdiensten.“
 

2. Amos und der Hintergrund seiner Botschaft

So ähnlich stelle ich mir den Auftritt des Propheten Amos vor. Er war kein Diplomat und hatte kein Geschick darin, Gottes Botschaften angenehm auszudrücken. Brutal und ungeschminkt unterbricht er den feierlichen Gottesdienst.

Wie kam es dazu?

Amos, der im Südreich Juda aufgewachsen war, hatte mitten beim Hüten der Schafe eine Gottesbegegnung gehabt, mit einer Botschaft für das Nordreich.

Kurzer Rückblick: Nach König Salomo wurde das Reich zerteilt. Auf der einen Hälfte: das Südreich mit dem Jerusalemer Tempel als Zentrum und die andere, größere Hälfte: Das Nordreich, in dem die Heiligtümer Bethel und Gilgal standen, zu denen die Leute pilgerten, um Gott anzubeten. Und um sicher zu gehen, stellte man gleich noch ein paar populäre Götterbilder auf. Ungefähr um das Jahr 750 vor Christus hat Amos seine unpopuläre Botschaft verkündigt.
 

3. Die bleibende Aktualität: Gottesdienst und Nächstenliebe

Und diese Botschaft bleibt aktuell bis heute. Jesus geht in die gleiche Richtung, wenn er sagt: Gott ist nicht in erster Linie an schönen Gottesdiensten interessiert, sondern daran, dass wir unseren Nächsten lieben. Wenn du zum Altar gehst, sagt Jesus in der Bergpredigt, und es fällt dir ein, dass du mit deinem Bruder oder deiner Schwester immer noch unversöhnt bist, dann lass den Gottesdienst sausen und versöhne dich mit ihm. Danach hast du viel mehr vom Gottesdienst als vorher.

Und wie beschreibt Jesus das große Weltgericht? Geht es darum, wie oft wir den Gottesdienst besucht haben? Oder wie stark unser Glaube war? Oder verteilt er Orden für die, die schöne Gebete gesprochen haben? Nein, letzten Endes geht es Jesus darum, ob wir Gott und unseren Nächsten geliebt haben, nicht mit from

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