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Back to EpisodesEine ungewöhnliche Klage
Description
Der Prophet Amos und seine Zeit
Wer ist der Schreiber dieses Textes?
Er stammt von dem Propheten „Amos“ aus dem Südreich Israels. Er ist der erste der Propheten der Bibel, dessen Worte aufgezeichnet und in Buchform überliefert wurden.
Der Prophet wirkt sehr wahrscheinlich zwischen 760–750 vor Christus. Das Land Israel ist damals zweigeteilt. Das Südreich „Juda“ wird von dem König Usija regiert und das Nordreich „Israel“ vom König „Jerobeam II“.
Wohlstand und gesellschaftliche Misstände
Militärische Auseinandersetzungen mit den umliegenden Gebieten gibt es in der Zeit nicht. Die zentrale Lage der beiden Länder und die langjährigen stabilen Regierungen führen zu einem lebhaften Handel. Die Folge ist eine wirtschaftliche Blüte. Der Wohlstand wiederum kurbelt die Baukonjunktur an. Die Bevölkerung genießt das Leben mit gutem Essen und Trinken. Die Bewohner der Städte leben im Luxus. Auch die Landbevölkerung muss sich nicht ausschließlich dem Broterwerb widmen, um zu überleben, sondern hat Zeit, die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen und kulturelle Angebote in Anspruch zu nehmen.
Die Parallelen zu unseren heutigen westlichen Gesellschaftsformen finde ich bemerkenswert.
Aber der Wohlstand hat auch seine Schattenseiten. Menschen, die zum Wohlstand gekommen sind, treibt oft die Gier nach mehr. Dieses Wohlstandsgefälle spaltet die Gesellschaft. Die Schwächeren bleiben auf der Strecke, sie werden benachteiligt, bedrängt oder schlicht übersehen. Das Recht Israels, welches ihnen Schutz bieten soll, wird relativiert und von bestechlichen Richtern gebeugt.
Auch der Glaube hat sich gewandelt. An die Stelle des Glaubens an Jahwe, den Gott Israels, tritt der Baals-Kult, der seine Wurzeln im Lande Kanaan hat. Baal wird anstelle von Jahwe als Gott der Naturgewalten und der Fruchtbarkeit verehrt. Es handelt sich um eine Art Wohlfühl- und Genussreligion, die den Glauben an Gott immer mehr verdrängt. Die Folge ist, dass die Gebote, welche Gott seinem Volk gegeben hat, um das Zusammenleben zu regeln, zunehmend an Bedeutung verlieren. Anstelle des zentralen Gebots der Nächstenliebe tritt das Recht des Stärkeren.
Das Gerichtswort des Propheten: Die Totenklage über Israel
Dies ist die gesellschaftliche Situation, in die hinein der Prophet sein Totenlied über die Nation anstimmt.
Es handelt sich um ein drastisches prophetisches Gerichtswort, in dem der Prophet den Tod des Nordreichs Israels vorhersagt. Es entspricht in seiner Form einem hebräischen Leichenlied, wie es Klagefrauen bei dem Versterben einer Person anzustimmen pflegen. Hierbei handelt es sich um professionell trauernde Frauen, die die Aufgabe haben, das Leid der Hinterbliebenen öffentlich kundzutun.
Der Prophet wählt für seine Botschaft Bilder, die damals jedermann versteht.
Die „Jungfrau, die gefallen ist“, steht für den Staat „Israel“. Dieses Bild von Israel als Jungfrau bzw. Braut findet sich häufig in der Bibel. Es symbolisiert das Liebesverhältnis zwischen Gott und dem Volk Israel, welches er, als sein Volk erwählt hat. Diese Erwählung ist im 5. Buch Mose