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Back to EpisodesBaggio, Shiffrin & Mihambo: Handlungsfähig unter Druck | Matchball-Momente 1
Description
Ein Penalty im WM-Final. Ein Slalomlauf an Olympia. Ein Plädoyer vor Obergericht.
In solchen Momenten verdichten sich jahrelange Vorbereitung, Erwartungen, Konsequenzen und Angst auf wenige Sekunden. Der Körper schlägt Alarm. Der Puls steigt. Der Blick wird eng. Plötzlich reicht es nicht mehr, etwas theoretisch zu wissen oder technisch zu beherrschen. Die Leistung muss genau jetzt abrufbar sein.
In Teil 1 der Reihe «Matchball-Momente» schaut Duri Bonin, Strafverteidiger in Zürich, auf Roberto Baggio, Mikaela Shiffrin und Malaika Mihambo. Was geschieht mit aussergewöhnlich gut vorbereiteten Menschen unter maximalem Druck? Und was können Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, Prüfungskandidatinnen und Prüfungskandidaten sowie andere Juristinnen und Juristen daraus lernen?
Die Folge führt vom WM-Final 1994 über den alpinen Skisport und die Leichtathletik bis in einen Gerichtssaal des Obergerichts Zürich. Dort hatte die Staatsanwaltschaft für Duris Mandanten sieben Jahre Freiheitsstrafe und zwölf Jahre Landesverweisung beantragt. Das ist kein sportlicher Wettkampf. Für die beschuldigte Person geht es um ihr weiteres Leben. Aber auch hier stellt sich dieselbe psychologische Frage: Wie bleibt ein Mensch handlungsfähig, wenn der Körper Alarm schlägt?
Darum geht es in dieser Folge
- Warum mentale Stärke nicht bedeutet, nie nervös zu sein
- Weshalb Roberto Baggios verschossener Penalty bis heute ein Bild für maximalen Druck ist
- Was geschieht, wenn eine einzige Handlung die ganze Geschichte zu tragen scheint
- Was Mikaela Shiffrin über Erwartungen, Perfektion und einen wackelnden Plan zeigt
- Wie Malaika Mihambo nach misslungenen Versuchen zum Atem und zur Aufgabe zurückfindet
- Weshalb ein Wettkampf bis zum letzten Versuch offenbleiben kann
- Was Spitzensport und Strafverteidigung verbindet – und was sie klar voneinander unterscheidet
- Warum ein vorbereitetes Plädoyer im Büro psychologisch nicht dasselbe ist wie das Plädoyer vor Gericht
- Was geschieht, wenn Richterinnen und Richter schauen, die Staatsanwaltschaft Anträge stellt und der Mandant daneben sitzt
- Weshalb Druck nicht vollständig wegtrainiert werden kann
- Was Pre-Performance-Routinen sind
- Wie Atem, Körperhaltung, Fokus und ein erster Satz helfen können
- Wie man nach einer Unterbrechung zum roten Faden zurückfindet
- Was Juristinnen und Juristen tun können, wenn der Kopf plötzlich leer ist
- Warum Wissen erst dann trägt, wenn es unter Druck in Handlung übersetzt werden kann
Roberto Baggio: Wenn ein einziger Schuss alles zu tragen scheint
WM-Final 1994. Italien gegen Brasilien. Roberto Baggio tritt im Penaltyschiessen an und schiesst über das Tor. Das Bild bleibt haften: einer der besten Fussballer seiner Generation, allein am Penaltypunkt, beobachtet von einem ganzen Stadion und von Millionen Menschen. Jahre des Trainings verdichten sich auf einen einzigen Schuss.
Gerade deshalb ist dieser Moment interessant. Baggio scheitert nicht, weil er nicht Fussball spielen kann. Seine technischen Fähigkeiten stehen ausser Frage. Aber ein Penalty im Training und ein Penalty im WM-Final sind psychologisch nicht dieselbe Aufgabe.
Zum Ball kommen im Final weitere Belastungen hinzu:
- die Bedeutung des Moments
- die Erwartungen
- die körperliche Müdigkeit
- die Beobachtung
- die möglichen Konsequenzen
- die Geschichte, die der eigene Kopf bereits über Erfolg und Scheitern erzählt
Der Körper reagiert auf diese Bedeutung. Die Aufmerksamkeit verengt sich. Bewegungen, die normalerweise selbstverständlich sind, werden plötzlich bewusst kontrolliert. Genau dadurch können sie unsicher werden.
Mikaela Shiffrin