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Bin ich durstig!

Published 1 month, 1 week ago
Description
Der Bibeltext Psalm 42 – ausgelegt von Andree Werder.

Wenn nichts gelingen will – Klage als ehrliche Gebetshaltung

Ich fühle mit dem Psalmbeter mit. Denn ich kenne diese Tage, an denen nichts gelingen will. An denen es wieder mal keine Lösung gibt. Tage, die sich anfühlen, als läge die Last der Welt auf meinen Schultern. Ich frage mich: Wozu das alles? Wenn ich auf die Welt schaue, sehe ich vieles, das mich traurig macht: Kriege, Hass, Ungerechtigkeit. Länder misstrauen einander, Nachbarn entfremden sich. Menschen reden übereinander statt miteinander. Es scheint, als ob die Liebe erkaltet. Ein Ende ist nicht in Sicht! Und ich frage mich: Wo ist Gott in all dem? Sieht er das Leid? Hört er die Klagen?

„Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her“, wie oft habe ich dieses Sprichwort gehört. Ich mag es nicht, weil es, in die Situation hineingesprochen, häufig nicht stimmt. So oft wird eben nicht alles gut: Für einen Freund, der seine Sucht nicht überwinden konnte, kam kein Licht von irgendwo her. Meine Nachbarn haben sich getrennt. Ihre einst so fröhlichen Kinder habe ich schon Monate nicht mehr lachen sehen. Meine Ermutigungsversuche entpuppten sich als billiger Trost! Ich lerne immer wieder, dass es im Leben unangenehme Dinge gibt, die ich hilflos mit ansehe. Jeder kann wohl hier sein ganz persönliches Lied singen.
 

Der dürstende Hirsch – Sehnsucht nach Gott inmitten der Dunkelheit

So stimme ich ein in die Worte des Psalms: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“ Der Verfasser befindet sich in einer schweren Lebenskrise. Sein Leben läuft nicht gut, Feinde machen es ihm schwer. Tiefe Traurigkeit bestimmt seinen Tagesablauf. Er klagt und weint. Und dennoch: anstatt zu resignieren, schaut er auf denjenigen, der alles ändern kann. Er betet: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott.“

Diese Worte sind keine Flucht aus der Wirklichkeit. Sie sind eine Auflehnung gegen die Verzweiflung. Der Psalmbeter nennt das Dunkel beim Namen und lässt es nicht das letzte Wort haben. Er spricht mit seiner Seele, so wie man mit einem geliebten Menschen spricht, der aufzugeben droht: „Warte! Vertraue! Es gibt eine große Hoffnung. Sie liegt in Gott, dem Schöpfer der Welt!“ Er umschreibt seine Sehnsucht anschaulich: „Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehnt sich die Seele nach Gott“. Dieses Bild berührt mich besonders. Der Hirsch läuft durch dürres Land, seine Kehle brennt, seine Beine tragen ihn kaum noch — und doch hört er nicht auf zu suchen. Er weiß, irgendwann kommt das erlösende Wasser! So ist es mit mir. Ich dürste mitten im Leben nach Sinn, nach Frieden, nach einer Gegenwart, die trägt, wenn nichts anderes mehr hilft.

Auch der Glaube kennt diese dürstenden Wege. Christsein bedeutet nicht, dass das Leid verschwindet. Jesus selbst hat keine Schmerzen wegversprochen. Aber er hat versprochen, mit mir hindurchzugehen. Er hat gezeigt, dass Gott selbst in den Abgrund hinabsteigt — bis ins Dunkel meiner Angst. Der Psalmbeter denkt zurück an Zeiten der Freude, an die Feste in Gottes Nähe, an die Lieder, die ihn trugen. Er hält fest, was einmal hell war, damit es im Dunkeln nicht untergeht. Auch ich brauche die Erinnerung an Momente, in denen

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