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Not lehrt beten – ein Sprichwort und seine Grenzen
„Not lehrt beten“, so heißt es in einem Sprichwort. Und es scheint tatsächlich etwas Wahres daran zu sein. Forscher untersuchten in 95 Ländern Google-Suchanfragen während der COVID-19-Pandemie. Sie fanden heraus, dass die Suchanfragen für das Wort „Gebet“ (bzw. englisch Prayer) während des ersten Lockdowns 2020 auf den höchsten Stand stiegen, der je gemessen wurde! Dabei war der Anstieg religiöser Suchbegriffe umso höher, je stärker ein Land von Infektionen und Todesfällen betroffen war. Je höher die Todeszahlen stiegen, desto häufiger suchten Menschen nach Gebeten.
Das Sprichwort geht aber noch weiter: „Not lehrt beten, aber Reichtum lehrt vergessen.“ So ließ sich dann auch bezogen auf die COVID-19-Pandemie beobachten, dass die Intensität religiöser Praktiken (wie Google-Suchen nach Gebeten) nach dem ersten Schock wieder sank.
Ich kann mich nicht erinnern, während der Pandemiejahre vermehrt oder überhaupt nach Gebeten gegoogelt zu haben. Dass ich mehr bete, wenn es mir gerade nicht so gut geht und Gott im Alltag schon mal vergesse, wenn es gerade richtig gut läuft, kann ich leider bestätigen. So traurig wie das ist. Und genau so eine Situation beschreibt auch das Buch Hosea, aus dem die heutigen Verse stammen.
Hosea und das Nordreich Israel – Kontext und Geschichte
Hosea war ein Prophet, der im 8. Jh. vor Chr. lebte. Seine Dienstzeit lag ungefähr zwischen 750–720 v. Chr., also kurz vor dem Untergang des Nordreichs Israel. Der heutige Abschnitt gehört dabei in die letzte Phase: kurz vor dem Fall Samarias, der Hauptstadt des Nordreichs. Ich spüre im Text die Dringlichkeit: Gericht steht unmittelbar bevor, aber Gott ruft – in diesem Fall durch Hosea – immer noch zur Umkehr. Im Grunde genommen handelt davon das ganze Buch Hosea: von Gottes leidenschaftlicher, treuer Liebe zu einem untreuen Volk. Es handelt von Gericht und es handelt von Gnade.
Um den heutigen Abschnitt zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte: Ephraim war einer der Söhne Josefs (1. Mose 41,52) und wurde zum Stamm Ephraim. Nach der Flucht aus Ägypten und dem Einzug in das gelobte Land bekam dieser Stamm ein sehr wichtiges Gebiet im Zentrum des Landes. Rund 475 Jahre später kam es zur Trennung in Nord- und Südreich. Diese Reichsteilung wird zu einem Schlüsselmoment im Alten Testament.
Nach Salomo zerbricht das Reich. Im Norden entsteht ein eigenes Königreich – und um die Menschen von Jerusalem fernzuhalten, errichtet der neue König eigene Heiligtümer. Von da an beginnt ein schleichendes Vergessen Gottes.
Geistlicher Abstieg: Sattwerden und Vergessen
„Wenn Ephraim redete, zitterte man; erhaben war er in Israel. Danach versündigte er sich durch Baal und starb. Dennoch sündigen sie weiter …“ damit ist gemeint, dass das Nordreich, das einmal stark und angesehen war, durch Götzendienst geistlich „gestorben“ ist. Hosea spricht das Volk sehr persönlich an, indem er es „Ephraim“ nennt – wie einen Menschen, der seine erste Liebe zu Gott verlassen hat. Hosea zeigt auf, wie geistlicher Abstieg of