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Was können wir vom Militär über Arbeitskultur lernen? Prof. Dr. Sönke Neitzel (336)
Description
„Jede Institution, die über 50 Prozent im Overhead hat, ist dysfunktional."
Sönke Neitzel ist Militärhistoriker mit einem Lebenswerk und einem Büro voller unbequemer Wahrheiten. Er hat in Glasgow und an der London School of Economics gelehrt, bevor er 2015 nach Potsdam kam, um Deutschlands einzigen Masterstudiengang in War and Conflict Studies zu leiten. Wer Krieg, Strategie und das Versagen großer Organisationen verstehen will, kommt an ihm nicht vorbei.
Die Bundeswehr als Spiegel. Eine 5 für die Verwaltungsstrukturen, ein gespaltenes Urteil zur Infrastruktur, ernste Fragezeichen zur Kriegstüchtigkeit. Neitzel seziert die Bundeswehr nicht als Ankläger, sondern als Historiker mit präzisem Blick auf das, was sich strukturell nicht ändern lässt, wenn man bloß Geld hineinschüttet. Sein zentrales Argument: Über 50 Prozent Overhead sind kein Schönheitsfehler, das ist der eigentliche Defekt.
Was Clausewitz mit Unternehmensführung zu tun hat. Im Gespräch wird deutlich, wie nah Militärstrategie und Managementlehre beieinanderliegen. Zweck, Ziel, Mittel. Strategie von Taktik trennen. Dezentral entscheiden, aber mit klarer Richtung. Neitzel erklärt, was Auftragstaktik bedeutet und warum das Prinzip, Entscheidungsbefugnisse an die untere Ebene zu delegieren, in der Bundeswehr zunehmend einer Prozesslogik gewichen ist, die Initiative bestraft.
Das eigentliche Problem: Wer führt, wenn keiner führen gelernt hat? Das Geld allein löst das Problem nicht. Neitzel benennt, was fehlt: Leute an der Spitze, die große Organisationen wirklich reformiert haben. Und einen politischen Willen, der über schöne Reden hinausgeht. Sein Vergleich mit der Deutschen Bank unter Christian Sewing zeigt, was strukturellen Wandel in der Praxis ausmacht.
Worüber wir noch gesprochen haben:
- Kriegstüchtigkeit: Welches Szenario die Bundeswehr bestehen könnte und welches nicht
- Auftragstaktik: Wie die preußische Idee der dezentralen Führung entstand und warum sie heute weitgehend verloren gegangen ist
- Strategie vs. Taktik: Was diese Begriffe wirklich bedeuten und warum Journalisten sie regelmäßig falsch benutzen
- Potemkinsche Kasernen: Warum Truppenbesuche ein verzerrtes Bild der Realität erzeugen
- Umgang mit Ungewissheit: Was „in der Lage leben" heißt und warum Nicht-Handeln für große Systeme gefährlicher ist als Fehler
Sönke Neitzel ist kein Militärfan, der Krieg verherrlicht. Er ist jemand, der ihn versteht, und der deshalb mit einer Klarheit analysiert, die verblüfft und verstört zugleich. Was bleibt, ist eine dringende Frage, die weit über die Bundeswehr hinausreicht: Wie reformiert man eine große Organisation, wenn alle Beteiligten ein systemisches Interesse daran haben, dass alles bleibt, wie es ist?
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links
➡️ Sönke Neitzel am Institut für Militärgeschichte in Potsdam
LInk zur Folge mit Matthias Schranner: ➡️ Matthias Schranner bei GOOD WORK
Werbehinweis:
Diese Folge wird unterstützt von quäntchen & glück, einem Kollektiv, das sich Organisationsentwicklung und Facilitation in der Tiefe widmet und ein reichhaltiges Trainingsangebot dazu hat.
Richtig gute Workshops kann man lernen. Bucht euch euren Platz im Basis Facilitation Training (im Juli oder Oktober), in einem der Deep Dive Trainings (vom 18.-20. August) und/oder Futures x Facilitation-Training (im Oktober) von quäntchen + glück auf
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