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Psychiatrische Vorstellungsgründe in deutschen Notfallambulanzen - mit Dr. Heribert Kirchner
Description
Nichtdringliche psychiatrische Vorstellungsgründe in deutschen Notaufnahmen
Dr. Heribert Kirchner
Worum geht’s in dieser Folge?
Psychiatrische Patient:innen gehören längst zum Alltag deutscher Notaufnahmen. Doch wie häufig stellen sich Menschen mit psychischen Beschwerden vor, ohne dass ein akut behandlungsbedürftiger Notfall vorliegt? Welche Diagnosen stehen dahinter? Und was bedeutet das für ein Gesundheitssystem, dessen Notaufnahmen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen geraten?
In dieser Folge spricht Dr. Heribert Kirchner über die erste bundesweite Studie zu nichtdringlichen psychiatrischen Vorstellungen in deutschen Notaufnahmen und ordnet die Ergebnisse aus versorgungswissenschaftlicher Perspektive ein.
Zu Gast
Dr. Heribert Kirchner ist Psychiater und Versorgungsforscher. Gemeinsam mit Kolleg:innen um Prof. Broska und Prof. Pajonk untersuchte er erstmals bundesweit die Entwicklung psychiatrischer Notfallvorstellungen anhand von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Die Studie im Überblick
"Trends in Non-Urgent Mental Health Presentations to Emergency Departments – Insights from the First Nationwide Study in Germany"
Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Psychiatry Research.
Was wurde untersucht?
Bisher gab es in Deutschland kaum belastbare Daten zur Frage, wie häufig sich Menschen mit nichtdringlichen psychiatrischen Beschwerden in Notaufnahmen vorstellen.
Für die Studie wurden bundesweite Abrechnungsdaten analysiert:
- Zeitraum: 2012–2022
- bundesweite Datenerhebung
- interdisziplinäre Notaufnahmen
- psychiatrische Diagnosen mit Notfallkennzeichnung
Damit liefert die Arbeit erstmals einen Überblick über die Entwicklung psychiatrischer Notfallvorstellungen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren.
Zentrale Ergebnisse
Psychiatrische Notfälle sind kein Randphänomen
Psychiatrische Vorstellungsgründe gehören mittlerweile zu den häufigsten Gründen für eine Notaufnahmevorstellung.
Im Vergleich der Fachbereiche liegen sie hinter:
- internistischen Notfällen
- traumatologisch-unfallchirurgischen Notfällen
- neurologischen Notfällen
und zählen damit zu den versorgungsrelevanten Patientengruppen in deutschen Notaufnahmen.
Wie häufig sind nichtdringliche psychiatrische Vorstellungen?
Die Analyse zeigt:
- geschätzt 250.000 bis 300.000 nichtdringliche psychiatrische Vorstellungen pro Jahr
- etwa 2–3 % aller Notaufnahmekontakte
- deutlicher Anstieg über den Beobachtungszeitraum
Obwohl der prozentuale Anteil zunächst klein erscheint, entstehen aufgrund der hohen Gesamtzahl von Notaufnahmebesuchen erhebliche absolute Fallzahlen.
Welche Diagnosen stehen im Vordergrund?
Angst- und Panikstörungen
Eine der überraschendsten Beobachtungen der Studie:
- Angst- und Panikstörungen machten einen besonders großen Anteil der nichtdringlichen Vorstellungen aus.
Die Forschenden hatten ursprünglich erwartet, dass depressive Erkrankungen häufiger vertreten sein würden.
Affektive Störungen
Ebenfalls häufig:
- depressive Episoden
- andere affektive Erkrankungen
Substanzassoziierte Vorstellungen
Besonders relevant:
- alkoholassoziierte Vorstellungsgründe
Darüber hinaus wurden cannabisassoziierte Vorstellungen gesondert analysiert.
Warum landen Betroffene in der Notaufnahme?
Die Folge diskutiert verschiedene Ursachen:
Hohe Verfügbarke