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Vom Erschrecken zur Einladung – von der Angst zur Freude

Published 1 week, 5 days ago
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Der Bibeltext Hebräer 12,18-24 – ausgelegt von Rolf Röhm.

Kindheitserinnerungen und ein beängstigender Gottesbegriff

„Gott sieht alles" – diesen Satz hörten Kinder meiner Generation immer wieder, und dieser Satz hat auch über viele Jahre meine Kindheit und Teile meiner Jugendzeit geprägt.

„Gott sieht alles" – dieser Satz war von meiner Mutter vermutlich gar nicht als Drohung gemeint, und doch war es für mich als kleiner Junge ein eher beängstigender Satz. Vor allem wenn ich nachts im Bett lag, der Tag vor meinen Augen vorbeizog, ich mich an all die Dinge erinnerte, die sich am Tage ereignet haben. Da sah ich mich mit den Erdbeeren, die nicht aus unserem Garten waren. Ich hörte mich Worte sagen, die andere verletzten.

„Gott sieht alles" – und wenn er alles sieht und weiß, dann habe ich neben einem schlechten Gewissen auch noch einen zornigen Gott, der mit mir nicht zufrieden sein kann und mich für alles bestraft. Wenn in den nachfolgenden Tagen etwas schlecht lief oder schief ging, dachte ich, jetzt ereilt mich Gottes Strafe.

Dieses von Angst erfüllte Denken vom strafenden Gott begegnet mir auch in unseren Tagen immer wieder, wenn ich mit Menschen ins Gespräch über Gott und die Welt komme.

Der heilige Gott am Berg Sinai und die Kluft zum Menschen

Von Angst und Schrecken ergriffen – erlebten einst auch die Israeliten am Berg Sinai diesen Gott. Nach dem Auszug aus Ägypten war das eine erste Station, wo sie eine Pause einlegen konnten. Ja, dieser Gott hatte sie aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit geführt. Dieser Gott hatte mit mächtigen Taten den Pharao in die Schranken gewiesen. Er hatte ihnen in aussichtsloser Lage geholfen, als hinter ihnen die Streitmacht der Ägypter und vor ihnen das Wasser des Roten Meeres war. Sie erfuhren, dass Gott auch Macht über die Naturgewalten hat.

Jetzt hat sie dieser Gott an den Berg Sinai geführt. Doch dieser Halt war nicht geprägt vom leichten und unbeschwerten Leben in der Freiheit. Ganz im Gegenteil: Hier erlebten sie ihren Gott auf ganz andere Weise. Unser Bibeltext greift diese Begegnung aus dem 2. Buch Mose, ab Kapitel 19, auf. Und der Schreiber des Hebräerbriefs nutzt diese Begegnung und vergleicht hier den Berg Sinai mit dem Berg Zion. Dabei benennt er die Punkte, worin sich das Neue Testament vom Alten unterscheidet.

So war am Berg Sinai diese Gottesbegegnung für die Israeliten mit Angst und Schrecken, mit Feuer und Donner verbunden. Einer lauten Stimme Gottes mit klaren und eindeutigen Worten. Niemand durfte sich dem Berg und damit diesem heiligen und erhabenen Gott nahen. Kein Mensch durfte den Berg berühren, ohne Gefahr zu laufen zu sterben. Selbst Mose, der Mann Gottes, bekennt: „Ich bin erschrocken – und zittere." Diese Zeilen machen deutlich, wie groß die Kluft zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen ist. Zwar erlebte ich es als Junge nicht so dramatisch, aber doch war mein Leben eher von Angst vor diesem Gott, „der alles sieht", geprägt. Damals konnte ich noch nicht einordnen, dass es in meiner Umgebung Menschen gab, die Freude am Glauben, Freude an Gott hatten, „einem Gott, der alles sieht und ahndet". Menschen, die fröhlich und zuversichtlich über Erfahrungen mit diesem Gott in ihrem Leben berichteten. Die scheinbar wenig oder keine Angst vor diesem Gott hatten. Als ich älter wurde, stellte ich mir die Frage: Könnte es nicht sein, dass es nicht an Gott, sondern an meinem Gottesbild liegt? Einem Gottesbild, das nur den strafenden, den unnahbaren Gott kennt? Den Gott, der nur darauf aus ist, meine Fehler und Verfehlungen zu sehen und entsprechend zu ahnden? Dieser Gedanke führte mich zu der Frage, die einst schon Martin Luther umgetrieben und beschäftigt hat: Wie finde ich einen gnädigen Gott? Auf Freizeiten, in Predigten, beim Bibellesen erkannte ich Stück für Stück, dass der Satz „Gott sieht alles" durchaus auch anders gehört, gelesen und gesehen werden kann. Eben, dass es einen Gott gibt,

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