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KI ist nicht euer erstes Problem: Warum der Mittelstand zuerst seine Digitalisierung sortieren muss – mit Nicolai Dwinger, IHK Mittlerer Niederrhein – Folge 329
Published 3 months ago
Description
KI ist nicht euer erstes Problem. Diesen Satz nimmt Nicolai Dwinger mit in fast jedes Gespräch mit Mitgliedsunternehmen der IHK Mittlerer Niederrhein. Bevor der Mittelstand über KI redet, fehlt vielerorts noch die Basis der Digitalisierung. Genau da fängt diese Folge an.
Nicolai ist bei der IHK für Industrie, Innovation und Digitalisierung zuständig, davor war er unter anderem bei Bosch, bei Pixel Park in der Dotcom-Zeit und über zwölf Jahre in einem amerikanischen Konzern im Bereich Europe, Middle East, Africa. Die IHK Mittlerer Niederrhein betreut nach seiner Aussage rund 80.000 Mitgliedsunternehmen, vom Einzelgründer bis zum Industriebetrieb, und begleitet sie über den gesamten Lebenszyklus: Gründung, erste Mitarbeitende, Nachfolge.
Sein Bild vom Mittelstand ist ehrlich unterschiedlich. Manche Unternehmen rechnen längst eigene Modelle und fragen gezielt nach Daten. Andere haben Prozesse und Datenkultur noch gar nicht aufgesetzt und hoffen, KI räume den Laden auf wie ein Saugroboter. Wenn KI der Aufhänger ist, um die Digitalisierung endlich anzugehen, findet Nicolai das gut. Nur ersetzt sie die Hausaufgaben nicht.
Im Gespräch mit Jonas Rashedi geht es um die Basics, die vor jedem Tool kommen: nutzenorientiert vorgehen statt digitalisieren, weil digital besser klingt. Change Management voranstellen und den Menschen den Benefit erklären, gerade dort, wo die Angst vor Wegrationalisierung sitzt. Und Daten, die heute in proprietären Systemen liegen, per Mail wandern und in Excel enden, endlich durchgängig verfügbar zu machen.
Dazu die größeren Linien: Warum Deutschland eher Tanker als Schnellboot ist, und warum das im LLM-Game kein Nachteil sein muss, weil man nicht der Erste sein muss. Warum Regulierung wie NIS2, Ökodesign-Verordnung und digitaler Produktpass Rückenwind für die Digitalisierung sein kann statt nur Last. Und warum digitale Souveränität und ein europäischer Techstack im Mittelstand ankommen, sobald die ersten großen Leuchttürme vorangehen.
Ein starker Strang der Folge ist Bildung. Neue Inhalte brauchen laut Nicolai fast sechs Jahre, bis sie in einer Prüfungsordnung stehen. Sein Anlass, mit einem Bildungskampus für KI bei Auszubildenden ein Schnellboot danebenzusetzen. Warum das trägt, zeigen die Energie Scouts, bei denen Azubis mit offenem Blick durchs Unternehmen gehen und Einsparungen finden, die Fachabteilungen übersehen, und das Prinzip Reverse Mentoring: Der Azubi zeigt dem Betrieb, was mit KI geht.
Zum Schluss die beiden Standardfragen. Privat wertet Nicolai eigene Daten aus, vom digitalen Journaling per Google Form über Fitness-Watcher bis zur Verwaltung seines Kampfsport-Clubs. Und als Filmtitel für sein Data-Game wählt er Moneyball: Entscheidungen aus Daten statt aus Bauchgefühl.