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Blind-Date in der Doppelspitze: Neue Führungsformen für die Transformation. Stefan Mölling (332)
Description
„Es macht doch viel mehr Spaß, vor der Welle zu sein."
Stefan Mölling ist Co-Geschäftsführer des Audiovermarkters RMS und einer der wenigen Manager, die über Arbeitskultur, Führungsverantwortung und Marktveränderung mit gleicher Schärfe sprechen. Er kam 2024 von Axel Springers Vermarkter Media Impact, wo er mehr als zehn Jahre tätig war, zuletzt als Chief Sales Officer. Bei RMS führt er gemeinsam mit Sven Thölen als Doppelspitze ein Unternehmen von rund 150 Mitarbeitenden und kämpft nebenbei für ein faires Wettbewerbsfeld im deutschen Medienmarkt. Er weiß genau, was Transformation heißt, im Innen wie im Außen.
Veränderung braucht keinen Schmerz, aber meistens bekommt sie ihn trotzdem. Stefan Mölling hat mehrere Transformationsprozesse begleitet. Sein Befund ist ernüchternd: Die meisten Organisationen warten, bis der Druck maximal ist. Dann reagieren sie, statt zu gestalten. Seine Überzeugung ist das Gegenteil: Wer die Welle sieht, bevor sie bricht, hat noch Wahlmöglichkeiten. Wer in der Welle steckt, wird mitgenommen. Das gilt für Unternehmen. Und für Führungskräfte genauso.
Geteilte Führung: Zwischen Innenminister und Außenminister. Stefan teilt die Geschäftsführung mit Sven Thölen, obwohl die beiden sich vorher nicht kannten. Was nach einem Risiko klingt, beschreibt er als eines der produktivsten Führungsmodelle, die er kennt: ein Sparringspartner, der nicht am eigenen Stuhlbein sägt. Die Grundregel ist einfach und unverhandelbar: intern diskutieren, nach außen eine Meinung. Was das mit Erziehung zu tun hat und warum Menschen sofort spüren, wenn eine Doppelspitze nicht funktioniert, das erzählt er im Gespräch.
Audioversum: Eine Branche transformiert sich. Stefan beschreibt eine Medienwelt, die sich nicht verdrängt, sondern ausdifferenziert. Radio orientiert, Podcast vertieft. Wer morgens im Bad den Wetterbericht hört und abends auf der Couch einem Interview lauscht, widerspricht sich nicht. Und die Zahl ist eindeutig: Täglich 50 Millionen Radio-Hörerinnen und -Hörer allein in Deutschland. Stefan spricht auch Klartext, wenn es um die Plattformpolitik geht: Mehr als 50 Prozent der deutschen Werbeausgaben fließen inzwischen zu den großen Plattformen, ein klassischer Verdrängungswettbewerb. Stefan spricht über das Level-Playing-Field-Problem und kämpft auf europäischer Ebene dafür, dass sich das ändert. Die Frage, die sich bei Plattformen wie auch bei Führung stellt, ist: Wer übernimmt Verantwortung wofür?
Worüber wir noch gesprochen haben:
- Feedback-Kultur: Über Machtasymmetrie, reflexartige Antworten und die Frage, wer eigentlich die Bringschuld trägt
- Nähe als Führungsinstrument: Warum durch Nähe Vertrauen entsteht und manchmal auch zu viel davon
- Homeoffice und Autonomie: Warum manche LinkedIn-Debatten dazu bourgeoisiebehaftet sind
- Plattformverantwortung: Wer mit Content Geld verdient, sollte auch für ihn geradestehen
- Host Read Ads: Wann Podcast-Werbung funktioniert und wann sie das Vertrauen kostet, das Audio erst wertvoll macht
Stefan Mölling ist kein Manager, der Führung verwaltet. Er lebt sie mit Leidenschaft, mit Pathos und mit dem ehrlichen Eingeständnis, dass er selbst noch daran arbeitet. Er scheut sich nicht, seine Gefühle zu zeigen und zu lernen, damit haushalten. Ein Gespräch mit einem Menschen mit einer Führungspersönlichkeit mit Haltung über Verantwortung in unsicheren Zeiten: in Organisationen, in Märkten, in der Demokratie.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links zu Stefan Mölling und rms
➡️ rms ➡️ Stefan auf LinkedIn ➡️