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Back to Episodes#793 Macht Geld unfrei? Strafverteidigung und der Preis der Unabhängigkeit (Letters to a Young Lawyer 9)
Description
In der Schweiz spricht man nicht über Geld. Duri Bonin und Nina Langner tun es trotzdem.
Ausgangspunkt dieser Folge ist der Text «Don’t Limit Your Options by Making a Lot of Money» von Alan Dershowitz. Seine unbequeme These: Viel Geld kann nicht nur Optionen schaffen, sondern auch Optionen zerstören. Wer sich an einen hohen Lebensstandard, Hypotheken, Erwartungen, Statussymbole und ein bestimmtes Selbstbild gewöhnt, kann irgendwann weniger frei sein als früher – obwohl mehr Geld auf dem Konto liegt.
Was bedeutet das für Anwältinnen und Anwälte? Und was bedeutet es besonders für die Strafverteidigung? In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» sprechen Duri Bonin und Nina Langner über Geld, Freiheit, Berufsstolz, anwaltliche Unabhängigkeit, amtliche Verteidigung, Honorare, Kanzleikosten, Ferien, Erreichbarkeit und die Frage, warum gute Strafverteidigung für den Rechtsstaat unverzichtbar ist.
Darum geht es in dieser Folge:
- Warum Geld Optionen schaffen sollte – und nicht Abhängigkeiten
- Wie ein hoher Lebensstandard zum goldenen Käfig werden kann
- Weshalb finanzielle Sachzwänge die anwaltliche Unabhängigkeit gefährden können
- Was das BGFA mit Geld, Berufspflichten und Interessenkonflikten zu tun hat
- Warum die Organisation amtlicher Verteidigung für den Rechtsstaat zentral ist
- Weshalb Strafverteidigung nicht der Beruf ist, wenn man vor allem sehr viel Geld verdienen will
- Warum Honorare in der amtlichen Verteidigung nicht nur eine private Frage sind
- Was bei der Frage «Was kostet eine Verteidigung?» oft vergessen geht
- Warum die bessere Frage manchmal lautet: Was kostet keine oder schlechte Verteidigung?
- Welche Kostenstruktur hinter einer Kanzlei steht: Sekretariat, IT, Sicherheit, Infrastruktur und Vorleistung
- Warum Anwaltsserien ein falsches Bild davon vermitteln, wie Strafverteidigung wirtschaftlich funktioniert
- Wie Geld gesellschaftlich steuert, wo fähige Leute arbeiten
- Warum es exzellente Wirtschaftsanwälte braucht – aber ebenso exzellente Strafverteidigerinnen, Staatsanwälte, Richter und Gerichtsschreiberinnen
- Weshalb Ferien für selbständige Anwältinnen und Anwälte wirtschaftlich etwas anderes sind als für Staatsangestellte
- Warum Freizeit keine Belohnung nach guter Arbeit ist, sondern Teil guter Arbeit
Ein zentrales Thema ist die anwaltliche Unabhängigkeit. Strafverteidigung verlangt, dass Anwältinnen und Anwälte unbequeme Entscheidungen treffen können: einem Klienten widersprechen, ein Mandat ablehnen, ein schlecht bezahltes Mandat trotzdem sorgfältig führen oder sich gegen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht stellen, wenn es nötig ist.
Wer finanziell zu abhängig ist – von einzelnen Mandanten, von Behörden, von bestimmten Einnahmequellen oder vom eigenen Lebensstil –, läuft Gefahr, nicht mehr ganz frei zu sein. Genau darum geht es bei Dershowitz’ These: Geld ist nicht das Problem. Das Problem entsteht dort, wo Geld nicht mehr Möglichkeiten eröffnet, sondern Entscheidungen diktiert.
Duri und Nina sprechen deshalb nicht über Geld, um zu jammern. Es geht nicht darum, ob Anwältinnen und Anwälte genug verdienen. Es geht um eine grundsätzlichere Frage: Welche wirtschaftlichen Bedingungen braucht gute Verteidigung? Und was passiert mit dem Rechtsstaat, wenn Strafverteidigung unter Kostendruck gerät?
Besonders deutlich wird das bei der amtlichen Verteidigung. Duri erklärt, warum es problematisch sein kann, wenn Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger darauf angewiesen sind, von Behörden berücksichtigt zu werden. Wenn die Staatsanwaltschaft amtliche Verteidigungen bestellt oder faktisch Einfluss darauf hat, wer Mandate erhält, können unsichtbare Abhängigkeiten