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Umgang mit den eigenen Möglichkeiten

Published 3 weeks, 1 day ago
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Offensichtlich ist die Frau vor mir in der Schlange an der Kasse im Supermarkt keine Deutsche. Kleidung und Aussehen lassen mich auf eine Asylbewerberin schließen. Sie scheint die Worte der Kassiererin nicht zu verstehen. Und mit dem hiesigen Geld sich auch nicht auszukennen. Langsam zählt die ihre Taler vor. Es reicht nicht. Da greift der Mann in der Schlange hinter mir an mir vorbei und legt einen Fünf-Euro-Schein dazu. Irritiert schaut ihn die Kassiererin an. Die Ausländerin vor mir weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Da kommt von dem Mann der Kommentar: „Ist schon recht. Ist doch Christenpflicht, zu helfen.“

Die Bemerkung trifft mich. Wenn es Christenpflicht ist, wäre es doch auch meine Aufgabe gewesen, hier zu handeln. Dabei hatte ich noch nicht einmal angefangen, über die Situation nachzudenken.

Ist es Christenpflicht, zu helfen? Es gibt doch so viele Probleme auf der ganzen Welt, was kann ich als Einzelner schon dagegen tun? Die fünf Euro ändern nicht die Probleme der Migrationspolitik. 

Mit unserem heutigen Bibelwort hat es etwas ganz Besonderes auf sich: Es stammt von der Mutter eines arabischen Königs, vielleicht vor dreitausend Jahren, die ihren Sohn berät. Nur an dieser einzigen Stelle in der Bibel, im Buch der Sprüche, hier des Königs Lemuel von Massa, werden Weisheitssprüche einer Frau überliefert.

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“

Es ist also Aufgabe des Königs, für Gerechtigkeit zu sorgen, grade sich derer anzunehmen, die sonst kaum einen Fürsprecher haben: Für diejenigen, auf die sonst keiner hört. Denen sonst keiner zur Seite steht. Schon tausend Jahre, bevor Jesus sich konsequent für Ausgegrenzte, Bedürftige und Hilflose einsetzte, was sich in seiner Zuwendung zu den Sündern und Schwachen zeigte, gab eine Königinmutter ihrem Sohn diesen Rat.

Über uns herrscht heute kein König mehr. Wir leben heute in Deutschland in einer Demokratie. Die Aufgaben des Königs haben Parlament und Regierung übernommen.

Tun sie ihren Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind?

Doch halt, bevor es jetzt zu den üblichen Vorwürfen kommt, dass die da oben ja doch nur machen, was sie wollen: In einer Demokratie herrscht doch das Volk. Also ist jeder einzelne von uns auch ein bisschen König. Ich muss mich also selbst fragen: Tue ich meinen Mund

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